Entweder-Oder oder lieber Sowohl-Als-Auch?

Ein Gast-Artikel von Fabian Sindl

Der folgende Artikel befasst sich mit einer Grundeigenschaft von Erfolgsmenschen, in der sich diese fundamental von weiten Teilen der Mittelschicht unterscheiden. Diese Eigenschaft kommt – wie so oft – relativ schlicht und unspektakulär daher, entpuppt sich bei konsequenter Umsetzung allerdings bald als effektiver Katalysator für die Veränderung der eigenen Sicht der Dinge und mithin als eines von vielen Mitteln für ein erfülltes Leben...

 

In der Erfolgsliteratur wird zumeist vom Überfluss-Denken im Gegensatz zum Mangel- oder Verlustdenken gesprochen. Ich persönlich halte dabei das in der Überschrift postulierte Motto für mindestens genauso aussagekräftig. Gemeint ist jedenfalls jeweils dasselbe.

Jeder Mensch wird seit frühester Kindheit mit Bestätigungen des Mangeldenkens konfrontiert, ohne sich deren Bedeutung jedoch bewusst zu machen. Sobald der kleine Erdenbürger dann erwachsen geworden ist, hat er die Leitsätze bereits soweit verinnerlicht und implementiert, dass er gar nicht mehr auf die Idee kommt, sie zu hinterfragen.

Wer kennt die folgenden Sprüche denn etwa nicht aus seinem Verwandten- und Bekanntenkreis oder hat sie sogar schon selbst in den Raum geworfen und danach zustimmendes Nicken erhalten?

 

  • „Entweder(/lieber) arm und gesund oder(/als reich) und krank!“
  • Kind, erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen!“
  • „Wieso achtest Du denn bei Frauen immer nur auf das Aussehen? Auf die inneren Werte kommt es doch an!“
  • „Fahr noch in den Urlaub, solange Du noch keine Kinder hast. Später geht das nicht mehr!“
  • „Spaß und Arbeit? Das schließt sich aus!“
  • „Ja, der hat viel Geld, aber der muss sich dafür auch totarbeiten, und in seiner Beziehung läuft es sicherlich auch schlecht!“
  • „Glück in der Liebe, Pech im Geschäft!“
  • „Gesundes Essen? Das kann nicht schmecken!“
  • „Was hilft einem denn das ganze Geld, wenn man dann doch Krebs hat?“
  • „Die sieht gut aus, die hat bestimmt nichts im Kopf!“
  • usw.

 

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und erweitern. Die meisten Menschen werden erstaunt sein, wie viele weitere Glaubenssätze dieser „Ideologie“ sie schnell tagtäglich identifizieren, sobald sie nur dafür sensibilisiert wurden.

 

 Kann man nur in einer Sache Erfolg haben?

Allen diesen Behauptungen ist die Grundannahme gemein, dass man nie in allen Bereichen des Lebens Erfolg haben könne. Entweder sei man eben reich, dafür aber krank/beziehungsunfähig/geizig/ein schlechter Mensch o.ä., oder man sei arm und könne dafür andere positive Werte auf seinem Konto verbuchen. In gewisser Weise werden diese Glaubenssätze selbstverständlich noch begünstigt und bestärkt durch die Erfahrungen der vorherigen Generationen in der (Nach-)Kriegszeit, die Werbung im Speziellen und die Medien im Allgemeinen. Gleichsam dem Geld, das wir erst weggeben müssen, um etwas dafür zu bekommen, erscheint und diese Sichtweise bisweilen auch durchaus als sinnvoll und logisch.

Allerdings beeinflusst diese grundsätzliche Herangehensweise an unser Leben nicht nur unsere Einstellung im Inneren, sondern strahlt auch nach außen, wo wir etwa in Verhandlungen stets danach trachten, unseren eigenen Vorteil zu suchen. Denn es kann ja immer nur einer gewinnen, der andere macht dann automatisch ein schlechtes Geschäft, oder? Scheinbare Bestätigung für diese These finden wir dann auch noch im Bild des gewieften Verkäufers, der uns durch seine Teufelsrhetorik wertlosen Plunder aufschwätzt und dabei auch noch den großen Reibach macht.

 

 Warum eine ständige "Selbstaufwertung" nicht hilft

Das Verlustdenken ist bequem. Darum hinterfragen wir es auch nicht. Es fällt doch auch recht leicht, den Porsche des Nachbarn mit einem flotten Spruch zu dessen Qualitäten als Liebhaber kleinzureden und uns folglich etwas besser zu fühlen, oder nicht? Gleichzeitig hindert es uns jedoch auch daran, wirklich über uns hinauszuwachsen.

Die Wahrheit ist: Es gibt keine Limitierung im Sinne des Entweder-Oder. Es gibt immer ein Sowohl-Als-Auch. Was sollte uns daran hindern, eine Million auf dem Konto zu haben sowie eine hübsche Frau mit einem Dr. phil. am Beifahrersitz unseres Mercedes CLS 63 AMG, der obendrein noch Platz für unsere zwei aufgeweckte Kinder bietet und mit dem wir gerade nach Monaco in den fünfwöchigen Jahresurlaub fahren? Mit Mitte fünfzig, versteht sich. Mit einem sechsundvierziger Oberarm und Waschbrettbauch. Arrogant? Größenwahnsinnig? Utopisch?

Wohl kaum!

Bevor man irgendwann so weit ist, kann man freilich zunächst damit beginnen, die Fehler des Verlustdenkens schrittweise zu eliminieren: Geld muss man zwar etwa sparen, um viel davon zu besitzen, aber es muss auch fließen. Es ständig zwanghaft festzuhalten aus Angst, etwas davon zu verlieren, ständig nur auf der Suche nach dem nächsten Sonderangebot zu sein, richtet unsere Aufmerksamkeit auf den Verlust und nicht auf die Erlangung des Wertes.

Ob man so weit wie Bodo Schäfer gehen und stets einen Fünfhundert-Euro-Schein in seiner Geldbörse mit sich tragen will (ohne ihn auszugeben!), weil es ein reicher Mensch genauso tun würde, bleibt jedem selbst überlassen. Eine andere gute Methode wäre es sicherlich auch, selbst bei kleinem Budget anzufangen zu spenden. Solche kleinen Verhaltensänderungen sind jedenfalls perfekt dafür geeignet, einen langfristigen Bewusstseinswandel mit sanfter Hand zu unterstützen. In Verhandlungen mag es ferner helfen, vorab die jeweiligen Interessen herauszuarbeiten und sich dann zusammen mit seinem Verhandlungspartner (nicht: -gegner) auf die Herausarbeitung einer echten Win-Win-Situation einzuschwören.

Nicht ganz unberechtigt existiert der kitschige Spruch über die Liebe, der man nachsagt, sie sei das Einzige, das sich verdopple, wenn man es teile. Unberechtigt ist er letztlich nur in seiner Beschränkung auf die Liebe, gibt es doch zahlreiche Lebensbereiche, in denen durch ein Bündnis verschiedener Interessen etwas neues, großes mit allgemeinem Nutzen entstanden ist, ohne dass es dabei einen Verlierer gab. Schließlich hilft es auch, sich bewusst zu machen, dass die Welt nicht zusammenbricht, wenn etwas schief geht, man etwa Insolvenz anmelden muss. Die Gewissheit, dass sich die Welt immer weiterdrehen wird, lenkt die Aufmerksamkeit sodann auf den Überfluss an Möglichkeiten und weg von der ständigen Angst des Versagens und des Scheiterns. Das Potential solcher positiver Rückkopplungen kann dabei nur erahnt werden!

 

 Das Umdenken

Nachdem nun aufgezeigt wurde, dass eine Überflussmentalität bzw. ein Sowohl-Als-Auch-Denken, wie ich es nenne, schön sein kann, wird es Zeit für die Erkenntnis, dass eine solche Überzeugung sogar unentbehrlich ist, um erfolgreich zu sein. Dass dies keine reine Leerformel im Sinne des positiven Denkens ist, kann dabei leicht an tatsächlichen Zusammenhängen festgemacht werden. Entgegen der landläufigen Annahme sind nämlich wirklich erfolgreiche Menschen beinahe immer in allen Bereichen des Lebens erfolgreich: Sie sind nicht nur reich, sondern auch glücklicher, gesünder, führen bessere Ehen und sind angenehmere Menschen im Umgang mit ihren Freunden. Die Erklärung dafür folgt zwanglos aus der Vernetzung all dieser Lebensbereiche: Ein Mann, dessen Ehe schlecht läuft, wird diesen Frust schnell in die Arbeit tragen und dort womöglich an den Kunden auslassen, die dann schwinden. Ein Beruf, der dem Berufsträger keine Freude bereitet, macht schnell krank und schlecht gelaunt. Fehlende Erholungspausen führen zu Erschöpfung und Burnout. Umgekehrt gibt einem eine glückliche Familie vielleicht erst den nötigen Antrieb, um im Beruf richtig durchzustarten. Und der gesunde Körper macht einem das Aufstehen am Morgen um einiges erträglicher als der vom Bandscheibenvorfall gezeichnete Rücken, der vom Bierbauch nach vorne gekrümmt wird.

Nach alledem kann die Schlussfolgerung für jeden Menschen, der ein erfülltes Leben anstrebt, nur heißen, Erfolg auf allen Ebenen anzustreben und keine zu vernachlässigen. Finanzen, Beziehungen, Emotionen, Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung/Lebenssinn betonieren zusammen ein starkes Fundament, auf dem Gewinner bis zur Spitze bauen. Die Kehrseite besteht zumeist nicht in der Abwesenheit nur eines erwünschten Attributs, sondern kommt schnell kumulativ daher: Arm, krank, unzufrieden, allein, resigniert.

Wähle Deinen Weg selbst.

 

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