Das 5 Faktor-Modell zur Aktienbwertung von Porter

Die Methode auf die in diesem Artikel eingegangen wird ist die 5 Faktor-Methode, auch Fünf-Kräfte Modell genannt welches vom amerikanischen Ökonomen Michael E. Porter entwickelt wurde. Diese Methode dient der sogenannten Wettbewerbsanalyse, also im Grunde der Analyse des Burggrabens.

Diese Methode gibt sehr interessante Einblicke und Erkenntnisse darüber, welche Gefahren auf ein Unternehmen im kapitalistischen Wettbewerb lauern. Außerdem zeigt es, dass man nicht einfach aufgrund dessen, dass eine Branche große Wachstumspotenziale hat in diese investieren sollte, und damit automatisch eine Outperformance erzielt.

Dabei dient dieses Modell vor allem für den zweiten Schritt, also der Erstellung von Prognosen, aber auch für den ersten Schritt bzw. der Untersuchung des Unternehmens kann man dieses Modell verwenden. Das werde ich aber gleich noch anhand einiger praktischer Beispiele zeigen.

Wie der Name schon sagt kommt es bei diesem Modell auf fünf Faktoren an, auf die ich jetzt der Reihe nach eingehen werde.

 

Rivalität der Wettbewerber

Der erste Faktor ist R1, dieser steht für die Rivalität der Unternehmen die aktuell schon im Wettbewerb bzw. in der jeweiligen Branche aktiv sind.

Nehmen wir als Beispiel Daimler, dann ist das R1 von Daimler die Rivalität zwischen Daimler und allen anderen vergleichbaren Automobilkonzernen, wie BMW, VW usw.

Das R1 hängt von zwei Faktoren ab, dem Machtstreben und dem Preiskampf.

Die Rivalität in einer Industrie ist umso höher, je mehr die einzelnen Unternehmen eine Vorherrschaft in der jeweiligen Branche anstreben und je mehr die Unternehmen sich einen Preiskampf liefern.

Wenn beispielsweise die großen Einzelhandelsketten nur über den Preis um die Kunden konkurrieren, dann gibt es einen sehr intensiven Wettbewerb in der jeweiligen Industrie, was den Profit der Unternehmen natürlich drückt, und das sollte man in seine Prognosen mit einfließen lassen.


Rivalität durch neue Wettbewerber

Der zweite Faktor ist R2, dieser steht für die Rivalität die dadurch entsteht, dass neue Unternehmen in die jeweilige Branche eintreten.

Man stellt sich dabei also die Frage, welche Gefahren auf das jeweilige Unternehmen, das man gerade analysiert, dadurch zukommen, dass neue Firmen in den Markt eintreten und das Unternehmen angreifen.

Dabei muss es sich bei den neuen Unternehmen aber nicht nur um neu gegründete Unternehmen handeln, auch wenn große Unternehmen in eine neue Branche kommen und dadurch das Unternehmen gefährden, das man gerade analysiert, fällt das unter den Faktor R2.

Als Beispiel kann man hier Amazon heranziehen. Amazon hat als Start-UP nur mit Büchern angefangen es war damals also ausschließlich ein Online-Shop für Bücher. Das Unternehmen hat sich dann Stück für Stück immer in mehr Branchen ausgeweitet und konnte so zu einem riesigen Unternehmen werden.

Aber auch heute noch tritt Amazon immer wieder in neue Branchen ein, für Unternehmen die in dieser Branche schon vor Amazon tätig waren, ist die Gefahr die von Amazon ausgeht ein R2 Faktor, auch wenn es das Unternehmen schon lange gibt.

Vor kurzem habe ich beispielsweise gelesen, dass Amazon eigene Flugzeuge gekauft hat, um einen eigenen Zusteller-Dienst aufzubauen. Das bedeutet auf einmal entwickelt Amazon eine Konkurrenz zu UPS und FedEx.

Und wenn ich ein Unternehmen wie UPS analysiere muss ich das natürlich in meine Prognose bzw. schlussendlich in meine Bewertung mit einfließen lassen, dass ein Gigant wie Amazon in den Markt eindringt, und genau das mache ich mit dem Faktor R2.

Wer sich näher für die Geschichte von Amazon interessiert sollte sich das Buch The Everything Store kaufen, das Buch ist sehr zu empfehlen.

Dabei spielen beim Faktor R2 die Eintrittsbarrieren für neue Unternehmen eine große Rolle, also wie schwer bzw. leicht es für ein neues Unternehmen ist in die jeweilige Branche einzutreten.

Wenn die Eintrittsbarriere groß ist, ist das nur zum Vorteil der bestehenden Unternehmen. Ein Beispiel für hohe Eintrittsbarrieren wäre die Rüstungsindustrie, aufgrund der vielen Regelungen und Regulierungen. Ein Beispiel für fast keine Eintrittsbarrieren ist You-Tube, hier kann jeder einen eigenen Kanal aufmachen und Videos drehen, und das ohne großen Kapitalaufwand.

Das habe ich beispielsweise auch berücksichtigt, als ich diesen Kanal gegründet habe. In der You-Tube-Fitnessbranche sind die Eintrittsbarrieren sehr gering, da jeder mit guter Genetik und ein wenig Trainingserfahrung Videos dazu drehen kann, wie man richtige Bizpes-Curls macht und aufgrund seiner guten Genetik hat er wahrscheinlich viel schneller den Glauben der Kunden als ich.

Wenn man allerdings einen Kanal zum Thema Aktien aufmachen will, der guten Content liefert, muss man schon ein bisschen mehr Wissen haben und die Eintrittsbarrieren sind dementsprechend höher.

Ich habe das zwar damals noch nicht so bewusst gemacht aber unterbewusst habe ich es gewusst und konnte dadurch die R2-Gefahr bei meinem eigenen Unternehmen mindern.


Gefahr durch Substitute

Der dritte Faktor ist Subst. , was für Substitute steht, damit ist die Gefahr gemeint, dass die Produkte oder Dienstleistungen die ein Unternehmen produziert bzw. anbietet einfach durch ein anderes Produkt ersetzt werden können.

Nehmen wir als Beispiel einen Stahlproduzenten, der sich auf spezielle kleine Rohre fokussiert hat. Auf einmal kommt aber ein neuer Stoff, der viel besser für diese Rohre geeignet ist, für die du eigentlich deinen Stahl produziert hast.

Anhand dieses Beispiels merkt man auch, wie wichtig es ist solche Faktoren in die Unternehmensbewertung mit einfließen zu lassen.


Verhandlungsmacht der Käufer

Der vierte Faktor ist F1, und steht für die Verhandlungsmacht der Käufer. Dabei gilt generell, je mehr Käufer es für ein Produkt gibt, desto geringer ist die Verhandlungsmacht des einzelnen.

Wenn du als Unternehmen beispielsweise 100 000 verschiedene Käufer hast, die regelmäßig von dir etwas kaufen, dann ist die Verhandlungsmacht von einem dieser Käufer viel geringer, als wenn du nur 5 Käufer hast und somit von einem viel abhängiger bist.

Dabei sind Unternehmen die nur sehr wenige Kunden haben gar nicht so selten, vor allem im B2B Bereich gibt es Unternehmen die nur ein paar Großkunden haben, bei diesen ist die Gefahr, die vom Faktor V1 ausgeht natürlich enorm hoch. Die Gefahr die dabei besteht ist beispielsweise, dass die Kunden verlangen das jeweilige Unternehmen muss seine Preise enorm senken und solche Sachen.


Verhandlungsmacht der Zulieferer

Der letzte Faktor ist V2, und steht für die Verhandlungsmacht der Zulieferer eines Unternehmens. Dabei gilt genau das Gleiche wie bei V1, je weniger Zulieferer es gibt, desto besser ist die Verhandlungsmacht dieser.

Nehmen wir als Beispiel Tesla, das Unternehmen arbeitet für ihre technologische Teile sehr eng mit Panasonic zusammen. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass nur Panasonic die Teile liefert, die Tesla benötigt, dann ist die Verhandlungsmacht von Panasonic gegenüber Tesla enorm hoch.

Bei Unternehmen bei denen der V2 Faktor sehr stark ist, kann das dazu führen, dass die Zulieferer die Preise enorm anheben, was entweder die Produkte des Unternehmens selbst teurer macht oder die Margen geringer.

Solche Faktoren muss man natürlich unbedingt in die Prognosen und damit die Bewertung mit einfließen lassen.

Ich glaube das konnte auch ganz gut zeigen, dass Unternehmensbewertung doch etwas komplexer ist, als man vielleicht auf den ersten Blick denkt.

Für alle in denen ich das Interesse an diesem Thema wecken konnte, kann ich noch einen sehr interessanten You-Tube-Kanal empfehlen und zwar den Kanal von Aswath Damodaran, von dem auch ich sehr viel zu diesem Thema lernen kann und schon gelernt habe.

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