Berkshire Hathaway Aktienanalyse Teil 3/4

In diesem Artikel, dem dritten aus der 4-teiligen Serie zu Berkshire Hathaway der Holding des Starinvestors Warren Buffet, geht es um die Analyse der Aktie von Berkshire Hathaway bzw. um die Bewertung des Unternehmens.

Die Bewertung hat Jonathan Neuscheler im Rahmen seines Pitch-Wettbewerbs erstellt, mehr dazu findest du im vorherigen Artikel dieser Serie.

Bevor es mit der Analyse los geht muss man kurz anmerken, dass dieser Artikel bzw. diese Bewertung keine Kaufempfehlung oder sonstiges ist. Im Grunde soll der Artikel eher zeigen, wie man so eine Bewertung angehen kann und auf welche Kennzahlen Jonathan dabei achtet. Dieser Artikel ist also auf das Beispiel eines Kuchens übertragen, nicht der fertige Kuchen, sondern nur das Rezept um diesen Kuchen zu backen.

Hier kannst du dir das komplette Video anschauen wenn du möchtest:

 

Berkshire Hathaway Aktienbewertung

Auch in diesem Artikel wird Jonathan seine Bewertung präsentieren und ich werde wieder in die Rolle des Anfängers schlüpfen und ihm Fragen dazu stellen.

Die wichtigsten Faktoren bei der Analyse(Minute 1:42)

Kolja: Auf was achtest du, wenn du ein Unternehmen bewertest, welche Faktoren sind für dich wichtig?

Jonathan: Als erstes muss man immer den Börsenwert des Unternehmens kennen, der aktuell ca. bei 350 Milliarden Dollar liegt. Und nun betrachtet man alle Faktoren erst einmal so, als würde man das gesamte Unternehmen kaufen.

In der Bilanz gibt es dabei immer zwei Teile, die eine Seite, welche auch Aktiva genannt wird, zeigt an, welche Vermögenswerte man für dieses Investment bekommt.

Bei Berkshire besteht die Aktivseite aktuell aus ca. 71,1 Milliarden US-Dollar in Cash, also aus Bargeld das auf der Bank liegt. Dieses Geld ist also frei verfügbar, und ermöglicht es jederzeit neue Chancen zu nutzen.

159,4 Milliarden Dollar Investments, damit sind Investments in Aktiengesellschaften gemeint, die an der Börse notieren. Also die Investments in Coca Cola, Wells Fargo oder die Liberty Media Corporation.

Der Rest der Aktiva von Berkshire Hathaway besteht aus dem sogenannten Umlauf- und Anlagevermögen. Bei normalen Unternehmen sind das beispielsweise Maschinen oder Rohstoffe, bei Berkshire Hathaway besteht dieser Teil aus allen Unternehmen, die Berkshire zu 100 Prozent gehören.

Als nächstes muss man sich nämlich ansehen, wie dieses Vermögen finanziert ist, also woher das Geld kommt, um die Vermögenswerte auf der Aktivseite zu erwerben.

Aktuell hat Berkshire 84,3 Milliarden Dollar Schulden, das mag viel klingen, doch man muss die Schulden immer ins Verhältnis setzten. Und da bei Berkshire eben der Bestand an Cash so hoch ist, kann das Unternehmen die Schulden jederzeit fast ausschließlich abbezahlen, weshalb durch diese Schulden kein nennenswertes Risiko besteht.

Eine Kennzahl die immer wichtig ist, um herauszufinden ob ein Unternehmen überschuldet ist, ist die sogenannte Nettofinanzverschuldung. Die kann man berechnen indem man von den Finanzschulden den Cash Bestand abzieht.

Bei Berkshire ergibt das, eine Nettofinanzverschuldung von 12,6 Milliarden, da das Unternehmen aber einen sehr hohen Gewinn hat, würde der Gewinn vor Steuern (EBT) eines Jahres ausreichen, um die Schulden abzubezahlen.

Berkshires eigene Unternehmen (zum Vergrößern anklicken)

Die Eigenkapitalrendite von Berkshire Hathaway ist mit 18,9 % ziemlich hoch.

Man kann sich das vorstellen, dass das Geld, das man als Investor in das Unternehmen investiert, auf ein Bankkonto mit dem Namen Eigenkapital kommt. Und auf dieses Bankkonto bekommt man keine ein Prozent oder 2 Prozent Zinsen, sondern 18,9 %.

Die Zinsen fließen dann auf das Cash Konto des Unternehmens, und so nimmt der Kassenbestand stetig zu, was schließlich dazu führt, dass der Aktienkurs steigt. Mit diesem Cash kann Berkshire Hathaway nämlich jederzeit neue Investments tätigen, ganze Unternehmen übernehmen oder natürlich auch Dividenden an Aktionäre ausschütten.

Die Eigenkapitalrendite bezieht sich übrigens nur auf die Unternehmen die Berkshire zu hundert Prozent gehören, also die Investments in Coca Cola oder Wells Fargo fließen in diese Rendite noch nicht ein. Investments an der Börse rentieren sich für Berkshire aber dafür über Dividenden die es erhält oder auch dadurch, dass die jeweiligen Unternehmen in ihrem Börsenwert steigen.

Den Wert ermitteln mit dem KBV(Minute 8:48)

Kolja: Sehr spannend, Jonathan, aber wie finde ich jetzt heraus, ob das Unternehmen aktuell teuer oder billig ist?

Jonathan: Die erste Methode, die vor allem für Unternehmen wie Berkshire Hathaway also Holddings sehr gut funktioniert, ist die Analyse mit Hilfe des Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).

Um das KBV zu ermitteln teilt man einfach die Marktkapitalisierung des Unternehmens durch das Eigenkapital des Unternehmens.

Wenn das KBV eins beträgt, erhält man für jeden Euro den man investiert einen Euro Eigenkapital, was aber sehr selten ist. Je näher sich aber das KBV einem Wert von eins annähert, desto günstiger das Unternehmen.

Berkshires Versicherungssparte (Zum Vergrößern anklicken)

Aktuell entspricht das Verhältnis ca. dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (aktuell:1,37; Durchschnitt: 1,38). Würde Berkshire nur Investments in Unternehmen an der Börse wie Coca Cola besitzen, müsste das KBV des Unternehmens immer bei 1 liegen, da der Buchwert bei Beteiligungen an der Börse immer den aktuellen Börsenwert des jeweiligen Investments widerspiegelt.

Allerdings besitzt die Holding von Warren Buffet auch viele Unternehmen zu hundert Prozent und bei denen ist es nun mal so, dass sie, wenn sie gekauft werden einmal in der Bilanz mit einem bestimmten Buchwert eingetragen werden, sich dieser Buchwert aber nicht mehr ändert.

Diese Unternehmen können also genau so im Wert steigen wie die Investments von Berkshire Hathaway, der Buchwert würde ihren Wertanstieg aber niemals widerspiegeln. Und da die Unternehmen von Berkshire wie im letzten Artikel gezeigt in der Regel erstklassige Unternehmen mit klarem Marktvorteil sind, steigen diese höchstwahrscheinlich genauso an Wert wie die Beteiligungen an der Börse.

Wenn Warren Buffet also mit seiner Holding vor dreißig Jahren ein Unternehmen für eine paar Millionen gekauft hat, das heute, würde es jemand von Berkshire kaufen, wahrscheinlich ein paar Milliarden wert wäre, dann steht im Buchwert der Bilanz immer noch der Wert von vor dreißig Jahren.

Und deshalb muss der Buchwert zum einen immer über dem Kurs von Berkshire liegen und zum anderen müsste das KBV Jahr für Jahr immer weiter ansteigen, und die rote Linie, die ich in den Kursverlauf eingezeichnet habe, ist das KBV bzw. der Kurs, der meiner Meinung nach gerechtfertigt ist und einen fairen Wert widerspiegelt.

Der Intrinsische Wert (Minute 16:48)

Aber ich habe das Unternehmen auch noch mit Hilfe einer zweiten Methode analysiert, und zwar eine Methode um den intrinsischen bzw. fairen Wert eines Unternehmens zu ermitteln.

Dazu schaue ich mir zuerst an, wie hoch die Investments pro Aktie bei Berkshire sind. Um das zu erfahren teile ich einfach die Investments (159Mrd. Dollar) durch die Anzahl der Aktien und erhalte damit einen Wert von 159 000 Dollar. Diesen Betrag muss eine Aktie des Unternehmens also mindestens schon einmal wert sein.

Dann schaue ich mir an, welche Erträge die Unternehmen, die Berkshire zu hundert Prozent gehören im Jahr 2015 pro Aktie erwirtschaftet haben. Dazu ziehe ich das EBT heran, also den Gewinn vor Steuern, welcher in 2015 12.304 Dollar, pro Aktie betrug. Dann habe ich mir angesehen wie hoch ein durchschnittliches Unternehmen in Amerika bewertet ist, also wie hoch das durchschnittliche EBT zu Kurs Verhältnis im S&P500 ist. Da dieses ca. 16,5 betrug und ich etwas konservativer rechnen wollte habe ich die Unternehmen von Berkshire mit ihrem EBT mal zehn bewertet, wodurch ich einen Wert dieser Unternehmen pro Aktie von 123.040 Dollar erhielt.

Berkshires Aktienbeteiligungen (Zum Vergrößern anklicken)

Wenn ich diesen Wert mit den 159 000 Dollar addiere, komme ich auf meinen fairen Wert für das Unternehmen von 282.040 Dollar.

Natürlich kann man noch konservativer rechnen als ich, oder auch etwas optimistischer und so wird jeder Investor einen anderen fairen Wert ermitteln.

Das Kochrezept hast du jetzt also, welchen Kuchen du damit backst, musst du entscheiden.

Ich hoffe du konntest wieder einiges lerne. Im nächsten Artikel geht es darum, was eigentlich mit dem Unternehmen passiert, wenn Warren Buffet einmal nicht mehr unter uns ist, eine sehr spannende und kontroverse Frage, aber dazu mehr im nächsten Artikel.

Rationale Grüße,

Kolja Barghoorn & Jonathan Neuscheler

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