Wusstest du, dass deine Rendite maßgeblich davon abhängt, wie viel Geld du für eine Aktie bezahlst?

 

Hier ein Beispiel:

Du kaufst eine Bäckerei, die im Jahr 200.000 € Gewinn macht! Wenn du 1.000.000 € dafür zahlst ist dein ROI (Return on Investment) = 20%! Wenn du die Bäckerei aber für 4.000.000 € kaufst obwohl der Gewinn gleich bleibt ist dein ROI = 5%!

 

In diesem Video habe ich es noch mal erklärt:

 

Die 10 entscheidenden Kennzahlen

 

Damit zu also nicht zu viel Geld für ein Unternehmen/Aktie bezahlst, gebe ich dir hier 10 Kennzahlen, die du für jede Aktie überprüfen kannst. (Hinweis: dies handelt sich nur um die Vorgehensweise, die ich für meine Investments verwende. Wenn dir meine Argumentation nicht schlüssig erscheint, dann nutze lieber deine eigene).

Um weltweit interessante Aktien zu finden, die meinen Parametern entsprechen verwende ich am liebsten sog. Stock-Screener wie z.b. diesen von google

1. Marktkapitalisierung > 500 Millionen € (market cap)

"Häh? Was hat denn die Marktkapitalisierung mit der Rendite zu tun?" Gute Frage, erstmal eigentlich nichts. Allerdings birgen Aktienunternehmen mit "kleiner" Marktkapitalisierung ein systemisches Einzelrisiko und sind im Vergleich zu größeren Unternehmen häufig schneller von Marktabschwüngen oder Kreditklemmen betroffen. Eine Einzelinvestition in eine einzige Aktie hat ja prinzipiell schon ein höheres Risiko (zumindest wenn man sich nicht gut mit dem Unternehmen auskennt und wenig Einfluss auf das Management nehmen kann). Ich selbst bleibe daher lieber fern von Unternehmen, die eine Marktkapitalisierung unter 500 Millionen €/USD haben, um nicht dem erhöhten Risiko ausgesetzt zu sein, am Ende zu viel für ein Unternehmen gezahlt zu haben, welches pleite geht. Der Kapitalismus sorgt für eine Art "kreative Zerstörung" am Markt. Und die großen Fische fressen gerne die kleinen.

 

2. KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) < 15 (P/E ratio)

Das KGV gibt an, wie viele Jahre es dauern würde, dass ein Investor "seine Gewinne" im aktuellen Kurs reflektiert sieht. Das bedeutet ein KGV von 30 bedeutet, dass es 30 Jahre dauert (wenn alles so bleibt), bis ein Unternehmen so viele Gewinne erzielt hat, dass es den aktuellen Kurs "verdient" hat. Das KGV ist zwar bei weitem nicht die einzige wichtige Kennzahl, aber generell lässt sich schon sagen, dass je größer das KGV, desto mehr reflektiert der aktuelle Aktienkurs die Hoffnungen und Spekulationen der Anleger auf zukünftige Gewinnsteigerungen des jeweiligen Unternehmens. Alles über 15 ist für mich ein zu hohes Risiko. Punkt aus Ende!

 

3. KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) < 2 (Price to Book ratio)

Je niedriger das KBV, desto günstiger die Aktie. Das KBV gibt den aktuellen Aktienkurs im Verhältnis zum Buchwert an. Was ist dieser Buchwert? Ganz einfach, das Eigenkapital laut Bilanz, dividiert durch die Anzehl der Aktien. Der größte Unterschied zwischen KBV und KGV ist der, dass das KBV sich auf die Unternehmenssubstanz bezieht und nicht auf die aktuellen Erträge (Gewinne). Ein niedriges KBV bedeutet, wenn wir an unsere Bäckerei denken, dass man hier nicht den Gewinn betrachtet, sondern den Ofen der Bäckerei, die Kaffee-Maschinen, Die Möbel, etc. und wie viel Wert diese haben. Rein theoretisch bedeutet ein KBV von z.b. 0.5, dass man einen guten Gewinn macht mit der Aktie, da mann bei Auflösung der Firma den Bestand für mehr verkaufen könnte, als die Aktie aktuell an der Börse wert ist. Allerdings muss man festhalten, dass das in der Praxis nicht so einfach ist, denn erstens würde sich der Kurs der Aktie weiter erhöhen, wenn man die Firma komplett übernehmen wollen würde und zweitens, würde der spätere Verkauf oder (die Zerschlagung) des Unternehmens ja auch weitere Kosten verursachen.

Außerdem kann es auch sein, dass der Substanzwert in der Bilanz zu hoch bewertet wird.

Ist ein KBV von unter 2 trotzdem ratsam?

Auf jeden Fall dient diese Kennzahl als sinnvoller Vergleich zwischen 2 oder mehrerer Unternehmen aus der selben Branche. Und nicht bei ALLEN Unternehmen ist das KBV von unter 2 pauschal als "günstig" zu bewerten. Ich verwende es für Unternehmen die im Bereich Maschinenbau, Industrie, Automobilindustrie etc. tätig sind. 

 

4. Current Ratio (Liquidität 3. Grades) > 1.5 

Die Liquidität 3. Grades = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten * 100 %

Na toll und was bedeutet das? Wenn dieser Wert über 100% hat, bedeutet es, dass das Unternehmen alls kurzfristigen Verbindlichkeiten (bis zu 1 Jahr) rechtzeitig zahlen kann und zwar aus den flüssigen Mitteln (Bargeld etc) OHNE neue Schulden aufzunehmen, oder anderweitig Geld einzusammeln. Unter 100% läuten bei mir die Alarmglocken und ich fasse das Unternehmen nicht weiter an, bis der Wert wieder über 100% liegt. Noch besser 120-150%.

 

5. Langfristige Verbindlichkeiten / Gesamtkapital (letztes Geschäftsjahr) < 0.5 (LTD/Equity)

Diese Angabe gibt uns Auskunft darüber, wie hoch der Verschuldungsgrad des Unternehmens ist. Je höher die Kennzahl, desto höher ist die Verschuldung. Ich denke es ist recht eindeutig, warum man hier aufpassen sollte, nicht auf Unternehmen zu schauen, die eine hohe Verschuldung als allgemeine Marschrichtung vorgeben, selbst wenn es heute modern erscheinen mag, je höher die Verschuldung, desto höher das Risiko und desto höher das Risiko zu viel für die Aktie zu bezahlen.

 

6. ROE (Return on Equity) 5-Jahres Durchschnitt > 8%

ROE = Eigenkapitalrendite. Laut Warren Buffett ist ROE eine der wichtigsten Kennzahlen dafür, ein Management anhand von einem Geschäftsjahr zu beurteilen. Die reine Angabe des Gewinns ist nämlich recht irrelevant, wenn man nicht das Eigenkapital hinzunimmt. Der 5- Jahresdurchschnitt garantiert bis zu einem gewissen Grad, dass man als Privatanleger nicht zu viel für eine einzelne Aktie zahlt. Ich bleibe fern von Firmen, die keine gute Verzinsung auf das Eigenkapital bringen, warum? nun MEIN Kapital ist ja Teil des Eigenkapitals!

 

7. Netto Gewinnwachstum (5 Jahre) > 5% (Earnings growth)

Denken wir wieder an unsere Bäckerei. Sie hat im letzten Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 200.000 € abgeworfen. Das mag einige von euch richtig begeistern, mich würde es allerdings stören, wenn der Gewinn im Jahr 2010 der selbe wäre. Warum? Nun, nur Unternehmen, die langfristig wachsen, werden auch langfristig am Markt bleiben. Es ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, Dass Firmen, die stagnieren irgendwann verschwinden. Außerdem würde ich mich fragen, was eigentlich mit den 200.000 € der letzten Jahre passiert ist? Wurden sie etwa nicht richtig reinvestiert? Warum gibt es kein Gewinnwachstum? War das Management schlampig? Eine Nettogewinn-Wachstumsrate von 5% in den letzten Jahren (oder mehr) suggeriert mir, dass hier jemand weiss was er tut und mein investiertes Geld gut aufgehoben ist in einem Unternehmen, welches konsistente Ertragsstärke aufweist.

 

8. Umsatzwachstum (10 Jahre) > 5% (10 year Revenue growthrate)

Klar am Ende entscheidet der Gewinn, aber ich möchte auch wissen, ob nicht nur die Marge verbessert wurde, sondern auch der Umsatz insgesamt. Denn Der Umsatz ist ja die erste Zahl, auf die Investoren schauen und somit auch wichtig für uns als Investoren, wenn wir eine zukünftige Kurssteigerung haben möchten.

 

9. Gewinn/Aktie (EPS 10 Jahre) > 5% (10 year EPS growthrate)

Wie bereits erwähnt, der Gewinn alleine reicht nicht. Ich will wissen, ob der Gewinn pro Aktie steigt. Denn nur so kann ich überprüfen, ob das Unternehmen im Verhältnis zum Eigenkapital auch relativ gesehen, wachsende Gewinne erzielt. Eine AG, die 100.000 € Gewinn macht und 100.000 Aktien hat, ist natürlich nicht so interessant wie eine AG, die 100.000 € Gewinn bei nur 50.000 Aktien erzielt (sofern der Kurs gleich ist). Warum? Einfache Frage, weil mir dann als Aktionär MEHR vom Gewinn zusteht.

 

10. Zinsdeckung > 6.0 (interest coverage)

Die Zinsdeckung gibt an, wie schwer es einem Unternehmen fällt, ausstehende Zinszahlungen zu bezahlen. Die Zinsdeckung errechnet sich so: EBIT / Zinskosten. Je höher die Zinskosten und je kleiner der Gewinn (vor Zinsen & Steuern), desto schlechter steht die Firma da. Vor allem ein Verhältnis von unter 1.5 vermeide ich wie der Teufel das Weihwasser, denn das bedeutet, dass die Firma in ernsthafte Bedrohungen geraten kann, sollten die Einnahmen mal kurzzeitig rückläufig sein oder eine Finanzkrise einsetzen. Außerdem sind meine Dividenden ja erst nach den Zinszahlungen dran. Je größer der Kuchen der Zinskosten, desto kleiner wird mein Anteil als Eigentümer. Daher bevorzuge ich hier Unternehmen von einem Verhältnis von 4,5,6 oder mehr.

Ich hoffe diese Kennzahlen wahren eine Hilfe für dich. Viel spaß beim Umsetzen. Unter diesem Artikel findest du noch Depot-Emfpehlungen von  mir. Hierbei handelt es sich um Affiliate-Links, dass bedeutet ich bekomme eine kleine Provision dafür, wenn du dich über diese Links bei diesen 3 Online-Banken anmeldest um Aktien zu kaufen. Es handelt sich hierbei um eine einmalige Provision, die keine Mehrkosten für dich bedeutet.

Rationale Grüße,

Kolja Barghoorn