Die 7 Todsünden des Investierens

Einleitung

Vermögen aufbauen. Am besten richtig reich werden. Wer will das nicht? Wenn wir ehrlich sind, ist das doch der eigentliche Grund, warum jeder von uns sich zum ersten Mal mit der Börse und Aktien beschäftigt hat oder irre ich mich? 

Erfolgsbeispiele und Vorbilder gibt es genug. Häufig ist von Leuten wie Warren Buffett und Carl Ichan die Rede, die es durch cleveres investieren zu einem Milliarden-Vermögen gebracht haben. Und genau wie so viele andere Privatanleger dachte ich zunächst, dass es bei Aktien & Börse darum geht, möglichst geschickt sein Kapital anzulegen, um durch wachsende Profite erneut zu investieren und somit möglichst schnell die erste Millionen auf dem Konto verbuchen zu können...

Nach den ersten Verlusten kommt man natürlich ins grübeln. Denn wer sich eine Weile mit der Materie auseinandersetzt, der versteht recht schnell die mathematische Notwendigkeit, dass ein Investment, welches 50% an Wert verliert, nun 100% an Wert gewinnen muss, nur um wieder den Ausgangswert zu erreichen.

 

Das 50% Beispiel

Du investierst 10.000 € in eine Aktie, die bei einem Aktienkurs von 37 € notiert. Fällt nun die Aktie um 50%, also auf 18.5 €, ist dein Einsatz nur noch 5.000 € wert. Jetzt muss diese Aktie aber nicht mehr nur um 50% steigen, sondern um 100%, um wieder bei 37 € zu stehen.

Wer diese unumstößliche Wahrheit versteht, wird hoffentlich bemerken, dass es zunächst darauf ankommt, sein Kapital zu erhalten und nicht darauf, es zu vermehren!

Und genau das ist ein Leitsatz, den Warren Buffett sogar immer wieder betont, ob in Interviews, Büchern oder Geschäftsberichten.

In diesem Blog Artikel möchte ich dir daher 7 Todsünden des Investierens vorstellen, die deinem Vermögensaufbau effektiv schaden können und wie du stattdessen vorgehen kannst, damit du dein Kapital möglichst erhältst und dann auch vermehrst.

 

Todsünde # 1 - Der Glaube, man müsse die aktuellen "Marktbewegungen" kennen, um Gewinne zu machen

Selbst die klügsten und reichsten Investoren der Welt, haben keinen blassen Schimmer davon, in welche Richtung "der Markt" geht, ob also die Aktienkurse im Allgemeinen steigen oder fallen. Schaltet man allerdings den Fernseher an und zappt zwischen NTV, Bloomberg & Co hin- und her, merkt man recht schnell, dass ca 90% des kompletten Sendeprogramms sich nur mit dieser einen Frage auseinandersetzt nämlich:

 

"Was passiert als nächstes am Markt?"

Da spricht ein bekannter Analyst darüber, dass der sinkende Ölpreis die Wirtschaft ankurbeln wird, da die Nachfrage steigt. Als nächstes spekulieren Moderatoren mit Experten in Talk-Shows wie der Euro immer weiter abwerten wird, vor allem wenn Griechenland aus dem Euro ausscheidet. Aber alle allgemeinen Analysen, die sich auf die aktuellen Marktbewegungen konzentrieren führen den einzelnen Privatanleger nicht wirklich weiter. 

 

Warum ist das so?

Weil die Verflechtung von Wirtschaft, Politik, Gesellschaft & Natur viel zu komplex ist, als dass ein einzelner Mensch, egal ob Experte oder Amateur, daraus allgemeine Handlungsvorgaben oder Formeln aufstellen könnte, nach denen sich die Marktteilnehmer einfach nur richten müssen, um ihr Kapital gewinnbringend anzulegen. Leider ist es nicht möglich für uns Privatanleger durch den Dschungel an Informationen zu dringen und dann auch noch zu überprüfen, auf welche Einschätzungen und Analysen man sich verlassen kann. Denn wenn es eine Sache gibt, die immer an der Börse gilt, dann die Tatsache, dass Alles auch ganz anders kommen kann.

Und dann wären da ja noch die Wirtschafts- Indikatoren wie z.b. das BIP, oder der Geschäftsklimaindex, Leitzins etc. Auch diese sind in der Vergangenheit keine Garanten für zukünftige Börsenentwicklungen gewesen. Ich persönlich orientiere mich nur am Leitzins, da ein so geringer Leitzins wie aktuell tendentiell positiv für Aktien ist und ich nicht aufhören werde zu investieren, so lange die Leitzinsen so niedrig sind. Wenn man sich also überlegt wie und wo man investieren sollte, dann gibt es meiner Meinung nach nur den Ansatz einzelne Unternehmen zu analysieren, die unabhängig von aktuellen Marktbewegungen gute Zahlen vorweisen können (Siehe NCAV, Bilanz, Cashflow Statement etc) oder einfach gleich zu sagen, egal ich investiere passiv in einen oder 2 ETF und kümmere mich nicht darum. Das ist für 80-90% der Anleger sowieso die beste Option. 

Aber wenn ICH als Privatanleger die Lage am Markt nicht ausreichend einschätzen kann, dann werden es doch wohl Experten wie Dirk Müller, Max Otte usw. können oder etwa nicht?

 

Todsünde # 2 - Der Guru-Glaube - Wenn ich es nicht kann, die Experten können es, oder?

Gerade in der Finanzwelt besteht ein hoher Bedarf an Investment-Gurus. Menschen, die uns sagen was und wie wir es tun sollen, damit wir das beste aus unserem Vermögen machen und die Altersarmut vermeiden. Am liebsten habe ich hier die sog. "Crash-Propheten" die gebetsmühlenartig den Untergang der Börse oder "des Finanzsystems" geradezu herbeisehnen und ähnlich wie die Zeugen Jehovas eine große Anhängerschaft hinter sich sammeln. Das ihre Vorhersagen meistens viel Vermögen kosten scheint dabei viele gar nicht wirklich zu interessieren, denn ich glaube es geht einfach mehr um den Wunsch des Menschen, jemanden zu haben, der einem alles einfach erklärt und das Denken möglichst abnimmt.

Aber ich verrate dir ein Geheimnis. Auch die Experten können nicht wissen, was als nächstes am Markt passiert. Denn auch sie sind nur Menschen und offen für jederlei Fehleinschätzungen. Sogar ein Warren Buffett, der reichste Investor der Welt gibt offen und ehrlich zu, dass er sich nur auf einen sehr kleinen Bereich konzentrieren kann, seinen "circle of competence" um erfolgreich zu investieren. Er meidet z.B Technologie-Aktien und alle Anderen Bereiche, von denen er keine Ahnung hat.  Das klingt so gar nicht nach den Fernseh-Stars, die in eloquenter Manier die Finanzwelt erklären und nebenbei noch den Rest der Welt. Hier ist meiner Meinung nach äußerste Skepsis angesagt.  Überprüft man z.b. anhand von Youtube-Videos aus der Vergangenheit die Aussagen einiger Experten und beurteilt dann deren Wahrheitsgehalt anhand von den tatsächlich eingetretenen Ergebnissen, ist das häufig ein Unterschied zwischen Tag und Nacht. Natürlich haben sie auch häufig Recht, was sie dann ja um so mehr betonen, aber es gibt leider keine Möglichkeit vorher zu wissen, wann sie Recht haben werden und wann nicht. Und genau deshalb ist es meiner Meinung nach komplette Zeitverschwendung sich damit zu beschäftigen.

 

Todsünde # 3 - Der Glaube, nur mit "Insider-Informationen" lässe sich richtig gut mit Aktien verdienen.

Oben hatte ich schon kurz Warren Buffett erwähnt, den reichsten Investor der Welt. Weisst du was seine Informations-Quelle Nummer eins ist? Geschäftsberichte! Ja genau, diese langen endlosen Berichte voller Zahlen und Tabellen, die sonst keiner liest. Jetzt könnte man natürlich einwerfen: "Ja aber Warren Buffett kann ja auch direkt bei den Firmen-Chefs anrufen und mit ihnen Kaffee trinken gehen". Das ist zwar ein durchaus berechtigter Einwand und ich denke auch, dass die direkte Einflussnahme auf das Management einer Firma ein großer Vorteil von Warren Buffet ist (weswegen ich auch seine Aktie besitze) ABER auch Warren Buffett hat mal klein angefangen. Auch er war mal ein Niemand und hatte nicht diese Möglichkeiten, die natürlich auch nichts mit Insiderhandel zu tun haben. Denn auch du kannst ja bei jedem Börsenunternehmen anrufen, an Aktionärstreffen teilhaben usw. Und Warren Buffett hat sogar mehr Rendite damals gemacht, als er heute macht also selbst wenn er jetzt mit Insider-Informationen handeln würde, dann tut es ihm offensichtlich nicht gut.

 

Todsünde # 4 - Das Unwissen darüber, was mit meinem Geld passiert

Die größte Todsünde von Allen! Hast du bereits ein Aktien Depot? Wenn ja, dann melde dich doch jetzt mal kurz online an wenn du kannst und schaue nach, welchen Depotwert deine Investments gerade haben. Dort wird jetzt eine Summe "XY" stehen. Und jetzt meine Frage an dich: Weisst du zu 100% worin dieses Geld investiert ist? Was damit passiert, wer es bekommt und welche Kosten und Gebühren dazu führen, dass dieser XY Betrag sich ständig verändert? Wenn deine Antwort nicht: Ja, das weiss ich zu 100% lautet, dann solltest du dir sofort mal einen Überblick über deine aktuellen Investments machen.

Ich hatte damals bei der Dresdner Bank einen Fonds über die Hausbank laufen (danke an meine Eltern *Ironie off*) von dem ich keine Ahnung hatte was dort passierte. Das Geld hätte genau so gut in eine Bahnhofskneipe investiert werden können. Ich hatte einfach keine Ahnung. Und meine Eltern auch nicht und das ist eine Sünde. Denn wenn wir keine Ahnung haben was mit unserem Geld passiert, dann haben wir unsere Verantwortung abgegeben und dürfen uns nicht beschweren, wenn das Geld weg ist oder sich nicht nach undseren Vorstellungen verzinst. 

 

Todsünde # 5 - Der Glaube, Nur mit hohen Risiken lassen sich hohe Renditen erzielen

"Rendite kommt von Risiko" Diesen Spruch sollte eigentlich jeder zunächst berücksichtigen. Denn es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Privatanleger vor allem in Deutschland den Zusammenhang zwischen Risiken und Renditen vollkommen in ihren Milchmädchenrechnungen außer Acht lassen. Wer sich dann vom Bankberater oder vom Prokon-Verkaufsprospekt einreden lässt, dass man am Kapitalmarkt vollkommen risikofrei 12 % Rendite einfahren kann, der braucht sich nicht zu wundern, wenn das Renditeversprechen auf einmal weniger Wert ist als das Depot. Halten wir also kurz fest: Ohne eine grundsätzliche Risikofreudigkeit sollte man die Finger vom Kapitalmarkt lassen, ABER. Meiner Meinung nach ist Risiko im Bezug auf Aktien nicht sehr sinnvoll definiert. Denn wenn man von Risiko spricht, dann meint man häufig die Volatilität einer Anlage, also die Schwankung der Wertentwicklung. Wenn z.b. eine Aktie heute 10 € kostet, morgen 15€ und übermorgen wieder 10 € gilt sie als sehr volatil und somit risikoreich.

Hier weicht meine persönliche Definition und auch Einschätzung von der konventionellen Weisheit z.b. eines Gerd Kommers ab. Denn ich definiere Risiko als den Unterschied zwischen dem Preis, den man für eine Aktie gezahlt hat und den langfristigen Wert, den man aus dieser Aktie generiert. Je höher der Preis eines Investments, auch eines sehr guten Investments, desto höher das Risiko. Benjamin Graham (Intelligent Investieren) spricht hier von der sog. "Margin of Safety" Das bedeutet, dass man nie zu viel für eine Aktie zahlen sollte, selbst wenn es ein hervorragendes Unternehmen ist. Denn auch ein hervorragendes Unternehmen kann überteuert sein und ist es auch häufig. Anhand einer NCAV Analyse kann man z.b recht schnell herausfinden, ob eine Aktie zu teuer ist. Auch das EV/EBIT Verhältnis hilft hier weiter. Dazu mache auf dem Youtube-Channel diese Woche noch ein Video und verlinke es hier.

 

Todsünde # 6 - Die Formel - Der Glaube, dass es eine einfache Formel gäbe, anhand derer man die perfekte Investment-Strategie finden und umsetzen kann

Hier ist es so ähnlich wie beim Glaube an den Guru. Dabei handelt es sich hier aber eher um den Glauben, dass es ein überlegenes "System" oder eine "Investment-Zauberformel" gibt, die man nur finden und anwenden muss und schon sprudeln die Gewinne fast ganz von alleine ins Depot. Die Wurzel des Ganzen ist auch hier der Wunsch nach absoluter Sicherheit, nach DEM großen Hit, der das ganze Leben in neue Bahnen lenken wird. Dabei hoffen die Privatanleger, die diese Todsünde begehen, dass sie einfach nur irgendwie eine Formel in den Computer eingeben müssen und das Geld von alleine aus dem Laufwerk kommt. Es gibt aber leider keine Formel und kein "überlegenes System" welches dich in schneller Zeit reich macht. Weder im Internet, noch an der Börse. Erst RECHT nicht an der Börse .

 

Todsünde # 7 - Der Glaube, man könne in die Zukunft schauen, und dass der "Markt" einem irgendwann schon Recht geben wird

Nur einige Wochen vor dem gigantischen Börsen-Crash im Jahr 1929, hatte der US-Ökonom Irving Fisher behautet, dass "Aktien nun ein hohes, bleibendes Niveau erreicht hätten".... Was dann geschah ging in die Geschichtsbücher ein als gravierendster Börsen-Crash aller Zeiten. Jetzt könne man auch wieder meinen, "Ja aber Fisher hatte auch nicht diese modernen Charttechnik-Systeme von heute" Auch in den 1990 also die Aktien von Yahoo, Telekom & Cisco in immer höhere Höhen schossen nahm man an, dass "Gewinne nun keine Rolle mehr spielen werden". Und wurde dann mit Kursabstürzen von bis zu 90% eines besseren belehrt.

Die 7. Todsünde ist noch gravierender als die 1. Hier wird angenommen, man müsse die Zukunft vorhersehen können, um Erfolg an der Börse zu haben. Das fatale an diesem Glauben ist nicht nur die Tatsache, dass man dadurch ständig Kapital verbrennt, sondern dass man auch häufig viel zu lange benötigt, um sich einen Fehler einzugestehen. An dieser Stelle kann man sogar von Spekulanten wie George Soros lernen. Denn Soros ist ein Spekulant, der seine Annamen und Hypothesen über den Markt gerne testet und dann anhand des Feedbacks schaut ob er Recht hatte oder nicht. Wenn er jedoch bemerkt, dass er falsch lag, dann erkennt er den Fehler sofort als seinen eigenen an und bucht den Trade mit Verlusten ein. Wenn man allerdings glaubt, man wüsste was in der Zukunft passiert, dann wird man eigene Fehleinschätzungen eher als Fehleinschätzungen des Marktes ansehen, frei nach dem Motto: "Ich habe Recht ihr werdet schon sehen, der Markt muss es nur noch verstehen und das dauert eben noch ein bisschen."

Vermeide darum diese 7 Todsünden und konzentriere dich am besten darauf, einzelne Aktien zu analysieren und nach und nach zu lernen, wie man Fundamental-Analysen durchführt, wie man eine asset allocation durchführt und in ETF investiert und vor allem, wie man an seinen eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten arbeitet, um mehr Geld im Beruf oder mit seinem Unternehmen zu verdienen. Denn dieses Geld kann man dann an der Börse investieren und erreicht auch die finanzielle Freiheit wesentlich schneller.

Rationale Grüße,

Kolja Barghoorn

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Kolja Barghoorn - Aktien mit Kopf

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