Gehypte Growth-Aktien bewerten: Netflix, Google & Co.

Der Hype um Aktien, die im Durchschnitt schlecht abschneiden

In diesem Artikel geht es darum, wie man technologische Growth-Aktien wie Microsoft, Apple, Netflix oder Amazon bewerten kann und darum, ob man das überhaupt kann. Da Jonathan gerade bei mir ein Praktikum macht, stammt ein Großteil der Methoden aus diesem Artikel von ihm.

Bevor wir mit der konkreten Bewertung von Growth- Unternehmen und den Grundsätzen, die man bei der Bewertung dieser beachten muss starten, noch eine kleine Statistik zum Thema Growth-Aktien.

Und zwar haben die beiden Wirtschaftswissenschaftler Eugene Francis Fama - ein Nobelpreisträger -und Kenneth Ronald French, eine Studie durchgeführt in der sie weltweit die Performance von Growth und Value Aktien verglichen haben.

Die Performance von Growth-Aktien unter der Lupe

Die Studie ging über einen Zeitraum von 1975-1995 und hat gezeigt, dass ein Portfolio aus Value-Aktien im Schnitt ein Portfolio aus Growth-Aktien um 7,6% per Jahr outperformed.

(Genauere Informationen zur Studie findest du am Ende des Artikels)

Das zeigt, dass Growth-Aktien oft sehr hoch bewertet sind und in den Kursen Erwartungen stecken, die die Unternehmen schlussendlich nicht erfüllen können.

1. Gründe für die hohe Bewertung und Underperformance 

Doch welche Gründe sind eigentlich ausschlaggebend dafür, dass technologische Wachstumsunternehmen oft überbewertet und damit im Durchschnitt Underperformer sind?

Zum einen sind Growth- Unternehmen viel riskantere Investitionen als andere Aktien, da, wie schon gesagt, große Erwartungen in den Kursen eingepreist sind, Erwartungen auf ein hohes Wachstum, Erwartungen auf hohe Profitabilität in der Zukunft.

Große Wachstums- und Gewinnchancen ziehen aber natürlich auch die Konkurrenz an. Und wenn die Erwartungen davon ausgehen, dass das Unternehmen keine Konkurrenz und einen Marktanteil von 100 % haben wird und plötzlich doch Konkurrenz kommt, zieht das den Kurs natürlich enorm nach unten.

Ein weiteres Problem ist, dass das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei diesen Unternehmen oft sehr hoch ist, was bedeutet, dass hinter der Aktie bzw. dem Kurs keine wirkliche Substanz steckt.

Der gesamte Kurs basiert also auf Erwartungen, Fantasien und Luftschlössern und nicht auf wirklichen Zahlen, und wenn sich diese Luftschlösser in Luft auflösen, macht das auch der Kurs.

Das führt wiederum, bei Enttäuschungen oder nicht bestätigten Erwartungen dazu, dass die Aktie natürlich viel mehr bzw. stärker fällt.

Bei einem Unternehmen wie Coca-Cola bei dem viel Substanz in Form von regelmäßigen Erträgen, etlichen Marken usw. besteht wird auch bei negativen Zwischenmeldungen der Kurs nicht so stark fallen, da er eben nicht so sehr auf Erwartungen basiert.

2. Investor und nicht Kunde

Wenn wir technische Wachstumsunternehmen wie Netflix, Amazon oder Zalando bewerten und in diese investieren wollen, ist es außerdem ganz wichtig, nicht nur aus Sicht eines Kunden auf das Unternehmen zu blicken, sondern aus Sicht eines Investors.

Nur weil man beispielsweise die Dienstleistungen und Produkte von Zalando als Kunde nicht mag, heißt das nicht, dass Zalando kein gutes Unternehmen oder Investment ist. Denn schließlich geht es ja nicht um einen selbst als Kunden, sondern darum ob es Kunden gibt die die Produkte und Dienstleistungen von Zalando mögen und diese kaufen.

Das geht natürlich auch in die andere Richtung, denn nur weil man Netflix als Kunde enorm attraktiv findet, heißt das nicht, dass das Unternehmen ein attraktives Investment ist. Beispielsweise ist Netflix gerade so hoch bewertet, dass ich trotz einer sehr positiven Einstellung und Erwartung für die Entwicklung des Unternehmens niemals so viel zahlen würde, da in dem Kurs noch viel höhere Erwartungen eingepreist sind, die meiner Meinung nach einfach nicht gerechtfertigt sind.

Man muss also immer sehr vorsichtig sein, nicht zu sehr in die Rolle als Kunde zu kommen und versuchen, nicht nur das eine Produkt oder die eine Dienstleistung sondern das ganze Unternehmen zu sehen. Und dazu gehört eben auch die finanzielle Lage des Unternehmens, der CEO, die Innovationsfähigkeit usw. aber darauf wird auch im weiteren Artikel noch genauer eingegangen.

3. Kann man Wachstumsunternehmen objektiv bewerten? 

Die Frage ist natürlich, ob man Wachstumsunternehmen wie Netflix oder Zalando überhaupt objektiv bewerten kann oder ob auch Bewertungen von solchen Unternehmen reine Spekulationen sind.

Und meiner Meinung nach ist es auf jeden Fall so, dass Bewertungen ja immer auf gewissen Spekulationen basieren, denn um ein Unternehmen zu bewerten, muss man Prognosen für die Zukunft machen und die können nun Mal nicht objektiv sein, sondern basieren auf persönlichen Meinungen und Erwartungen.

Doch bei Growth-Unternehmen ist das Problem, dass die Bewertung noch viel mehr auf diesen Einschätzungen beruht als bei einem Unternehmen wie beispielsweise Unilever. Denn bei Unilever beruht meine Bewertung größtenteils auf den aktuellen Erträgen und Zahlen, da ich auch nicht mehr von einem sehr großen sondern eher stabilen Wachstum ausgehe.

Bei einem Wachstumsunternehmen hingegen kann man das natürlich nicht, sondern muss viel mehr Annahmen und Spekulationen treffen, was vor allem im Technologiesektor oft unheimlich schwer ist.

First Mover Advantage 

Vor allem im Technologiesektor ist auch sehr schwer abzuschätzen, welches Unternehmen aktuell die Nase vorn hat und welches in der Zukunft die Nase vorne haben wird.

Auch kann man gar nicht abschätzen ob ein Unternehmen, nur weil es aktuell führend in einer Technologie ist oder weil es das erste Unternehmen in einem gewissen Sektor ist, auch die Lorbeeren ernten wird.

Oft begeht man nämlich den Fehler zu glauben, es gäbe immer einen First Mover Advantage, also einen Vorteil für den, der zuerst kommt.

Doch nehmen wir einmal Tesla, das aktuell bekannteste und eines der führenden Unternehmen im Bereich der Elektroautos.

Tesla hat zwar aktuell die Nase in diesem Bereich vorn, doch heißt das auch automatisch, dass das Unternehmen die Nase noch in 10 Jahren vorn haben wird?

Meiner Meinung nach nicht, denn es kann z.B. sein, dass irgendwo ein Konkurrent mit einer entscheidenden Innovation sitzt, der sich aktuell noch bedeckt hält und erst einmal den Markt beobachtet. Erst wenn er dann merkt, dass der Markt bereit für Elektroautos ist und auch dafür, für diese Geld auszugeben kommt er als junges agiles Unternehmen in den Markt und übernimmt mit seiner Innovation die führende Position in der Branche.

Das ist jetzt natürlich ein reines Gedankenspiel, aber solche Fälle hat es schon oft genug gegeben, und daraus kann man einfach lernen, dass die ersten Unternehmen nicht unbedingt die sind, die den Aktionären den größten Wert bringen.

Dass muss ich im Nachhinein auch noch zu Fielman sagen, wobei ich einfach gemerkt habe, dass die wenigsten heute schon bereit sind im Internet Brillen zu kaufen. Wenn der Markt bereit ist und Fielman erst dann in den Markt einsteigt, wird es aufgrund seiner großen Wettbewerbsvorteile auch immer noch gute Chancen im Online-Bereich haben.

Es ist also nicht immer notwendig und ein Vorteil, wenn ein Unternehmen das erste in einem gewissen Bereich ist.

Goldgräberstimmung

Wenn ihr euch jetzt grundsätzlich fragt, wieso Growth Aktien in der Regel ein bisschen zu teuer sind, kann ich euch sagen, dass das ein bisschen am Gier-Instinkt in uns Menschen liegt.

Man könnte das auch als Goldgräberstimmung bezeichnen, sobald man irgendwo nur den Hauch einer Chance auf den großen Gewinn sieht werden Viele plötzlich irrational und kaufen ohne über den Preis nachzudenken. 

Und Viele sind immer auf der Suche nach diesem einen genialen Investment, dass für die komplette Altersvorsorge reicht und da fühlt man sich natürlich besonders zum Chart einer Growth-Aktie hingezogen, der seit den letzten paar Jahren um 1000 oder mehr Prozent gestiegen ist.

Man könnte das als eine Art Börsenlotto bezeichnen und natürlich gibt es immer wieder Fälle von Menschen, die durch eine Investition ausgesorgt haben und es gibt immer wieder Aktien, die um 1000 oder 2000 Prozent steigen.

Aber solche Aktien im Nachhinein zu finden ist natürlich oft leichter, als solche zu finden bevor sie um 1000 % steigen.

Jedenfalls beeinflusst diese Goldgräberstimmung vor allem Growth-Aktien in Richtung Überbewertung.

Der Technologische Wandel

Ein weiterer Faktor, der die Analyse von technologischen Wachstumsunternehmen enorm erschwert ist der wahnsinnig schnelle technologische Wandel.

Im Jahr 2000 war im Zuge des Internet-booms Cisco kurzzeitig das höchstbewertete Unternehmen der Welt, mit einer Marktkapitalisierung von 555 Milliarden US-Dollar. Aktuell beträgt die Marktkapitalisierung des Unternehmens 117,71 Milliarden US-Dollar.

Doch noch besser erkennt man den technologischen Wandel und das, wie schnell sich die Favoriten des Marktes im Technologiebereich verändern können, wenn man sich die drei Unternehmen Apple, Microsoft und Alphabet (Google) ansieht.

Noch am 31 März 2015 hatte Apple eine Marktkapitalisierung von 724 Milliarden und war das wertvollste Unternehmen, aktuell liegt die Marktkapitalisierung bei 520 Milliarden US-Dollar.

Am 1. Februar 2016 schoss die Aktie von Alphabet nach oben und das Unternehmen wurde zum größten Unternehmen der Welt mit einer Kapitalisierung von 570 Milliarden.

Bis zum 27.Mai 2010 wiederum war Microsoft führend, an diesem Tag löste Apple das Unternehmen an der Spitze ab. Damals erreichte Apple eine Kapitalisierung von 222 Milliarden und lag damit 3 Milliarden vor Microsoft.

Man sieht also, dass sich de Favoriten in diesem Bereich sehr schnell ändern können - nicht müssen, aber können.

Das Spannende ist wirklich, dass es noch nicht einmal 1 Jahr her ist, da galt Apple überall als das beste Unternehmen.

Doch nachdem in diesem und letzten Jahr manchmal nicht ganz so gute Meldungen kamen, wurde die Aktie enorm abgestraft und viele blicken enorm pessimistisch auf das Unternehmen.

Und jetzt wenn in der Community Apple auftaucht, sieht man anhand der Kommentare, wie pessimistisch einige sind bei einem Unternehmen, dass vor zwei Jahren noch bis in alle Sphären gelobt wurde.

Und dieser Wandel, macht es eben so schwer solche Aktien zu bewerten.

Konkrete Bewertung

Aber natürlich kann man solche Unternehmen dennoch bewerten und auf Jonathans Methode dafür wird im Folgenden eingegangen.

Und wie schon in den ersten Artikeln gesagt gibt es nicht die eine perfekte Formel oder Methode um Aktien zu analysieren. Das hängt wie schon gesagt immer sehr stark mit den jeweiligen Unternehmen zusammen, aber es hängt auch mit den eigenen Glaubenssätzen bezüglich Börse, effiziente Märkte usw. zusammen. Im Folgenden wird einfach eine von vielen Methoden beschrieben und du musst selbst entscheiden, ob sie für dich Sinn macht oder nicht.

Der entscheidende Faktor von dem der Wert jedes Unternehmens abhängt ist der Faktor, wie erfolgreich das Unternehmen wird und wie lange es so erfolgreich bleiben kann. Es geht also darum, wie gut das Unternehmen der Konkurrenz standhalten kann, wie lange es Gewinne einfahren, ob die Gewinne sehr zyklisch sind usw.

Um darüber eine Prognose zu machen ist es essentiell die Schritte der ersten Artikel mit dem jeweiligen Wachstumsunternehmen durchzuführen.

Du musst dir also auch für diese Methode das Geschäftsmodell des Unternehmens ganz genau ansehen. Was auch sehr hilfreich sein kann ist es, das Porter Modell mit dem Unternehmen durchzuführen.

Wenn du viel zu dem Unternehmen weißt, das Geschäftsmodell kennst und verstehst und dich in der Lage fühlst eine akkurate Schätzung bzw. Prognose für das jeweilige Unternehmen abzugeben, dann gibt es einen einfachen 3-Schritte-Prozess mit dem Jonathan unter anderem Aktien bewertet.

 1. Bestandsaufnahme und Lebenszyklus bestimmen

Der erste Schritt ist es, sich den aktuellen Umsatz, den Gewinn, die Marktkapitalisierung und die Gewinnmarge des Unternehmens anzusehen, um zu wissen wo das Unternehmen finanziell aktuell steht.

 

Jedes Unternehmen durchläuft, wie jeder Mensch auch verschiedene Lebenszyklen, Technologieunternehmen normalerweise etwas schneller als normale Unternehmen. Vereinfacht gesagt gibt es den Wachstumszyklus, in diesem handelt es sich um ein Growth-Unternehmen, den Stabilitätszyklus, in diesem handelt es sich um Unternehmen die nur mehr sehr stabil ca. wie die Gesamtwirtschaft wachsen. Der letzte Zyklus den ein Unternehmen durchläuft ist der Rezessionszyklus, also der Zeitpunkt, in dem ein Unternehmen nicht mehr wächst sondern schrumpft und schlussendlich aus dem Geschäft geht.

Der Lebenszyklus eines Unternehmens kann auch noch etwas präziser dargestellt werden, aber darauf wird in einem anderen Artikel noch genauer eingegangen. 

Ein Wachstumsunternehmen befindet sich noch im ersten Zyklus, man muss nun überlegen, wie lange das Unternehmen noch in diesem Zyklus bleiben wird, bzw. wie lange das Unternehmen das starke Wachstum fortsetzen kann.

 2. Prognose von Umsatz und Gewinn

In diesem Schritt muss man prognostizieren, welchen Umsatz und welche Gewinnmarge das Unternehmen am Ende seines Wachstumszyklus haben wird. Dabei kann es hilfreich sein eine konservative, eine mittlere und eine optimistische Schätzung abzugeben (Szenarioanalyse), dass kann man natürlich auch bei der Bestimmung des Lebenszyklus des Unternehmens machen.

Wenn man Umsatz und Gewinnmarge prognostiziert hat, berechnet man sich daraus noch den Gewinn des Unternehmens. (Keine Sorge, ich zeige das dann noch alles an einem Praxisbeispiel.)

 3. Wert ermitteln

Der dritte und einfachste Schritt ist es, den Wert des Unternehmens am Ende seiner Wachstumsphase zu ermitteln. Der Gedanke der dahinter steckt ist der, dass ein Unternehmen im stabilen Zyklus, welcher ja dem Wachstumszyklus folgt ca. ein KGV von ungefähr 10 haben sollte. Du kannst auch ein niedrigeres oder etwas höheres KGV wählen das so ein Unternehmen haben sollte, je nach deiner Einschätzung. Da Technologieunternehmen oft nur sehr kurze Lebenszyklen haben ist vielleicht ein KGV von 5 empfehlenswert, wobei das schon wieder sehr konservativ ist.

Nun multipliziert man den Gewinn mit dem KGV, das man für richtig hält und man erhält den Wert des Unternehmens.

Und dann kann ich mir die jetzige Marktkapitalisierung ansehen und wenn eine genügend große Differenz besteht, investiere ich ansonsten nicht. Die Differenz sollte auch aufgrund möglicher Verwässerung durch neue Aktie und weiterer solcher Faktoren nicht zu klein sein.

Je höher natürlich die Differenz, desto höher ist auch die Renditeerwartung.

Beispiel Netflix

Ich werde dir diesen 3-Schritte Prozess jetzt einmal am Beispiel von Netflix zeigen

1. Bestandsaufnahme und Lebenszyklus bestimmen

Im Jahr 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 6,779 Milliarden US-Dollar, daraus entstanden schlussendlich 122,641 Millionen US-Dollar Gewinn. Diese wurden natürlich alle wieder reinvestiert. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell 33,97 Milliarden Euro.

Aufgrund dessen, dass das Unternehmen sehr stark wächst aber auch immer neue Konkurrenten in dieses Geschäft kommen und daher, dass Technologieunternehmen generell kurze Lebenszyklen haben, schätze ich dass das Unternehmen in 5 Jahren seine Wachstumsphase beendet haben wird.

2. Prognose von Umsatz und Gewinn

Um den Gewinn, den Umsatz und die Gewinnmarge zu schätzen gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Das ist der Bereich über den man am meisten nachdenken sollte, denn von ihm hängt der Wert des Unternehmens ab. Allerdings gibt es auch einige einfache Möglichkeiten und Indikatoren die dazu dienen können einmal einen groben Wert für das Unternehmen zu finden.

Wachstumsindikatoren für Schätzung

2.1 Historie

Eine Möglichkeit ist es sich den Durchschnitt des Umsatzwachstums in den letzten Jahren anzusehen und dieses Wachstum evtl. etwas optimistischer, pessimistischer oder gleichbleibend fortzuführen.

Die letzten 4 Jahre haben ein durchschnittliches Umsatzwachstum von ca. 25% gezeigt, von diesem Wachstum werde ich auch in Zukunft ausgehen.

Das Unternehmen wird also in 5 Jahren einen Umsatz von ca. 20,69 Milliarden jährlich erwirtschaften.

 2.2 Wettbewerber

Eine gute Möglichkeit um sich die Gewinnmarge zu berechnen ist es, die Gewinnmargen von Konkurrenten in diesem Bereich anzusehen, die schon aus der Wachstumsphase ausgetreten sind. Aber natürlich ist auch das wieder eine einfache Methode und sollte nur für eine grobe Schätzung dienen, in der Praxis sollte man sich ansehen, worin aktuell die Kosten bestehen, ob das Unternehmen diese auch noch haben wird wenn es in der stabilen Phase ist und wenn in welcher Höhe.

Für Netflix nehme ich einfach eine Gewinnmarge von 30 % an, was zwar hoch aber aufgrund des Geschäftsmodells gerechtfertigt ist.

Der Gewinn in 5 Jahren wird dementsprechend 6,207 Milliarden US-Dollar betragen.

2.3. Wert ermitteln

Ich denke, dass für Netflix als stabil wachsendes Unternehmen ein KGV von 7 gerechtfertigt ist, da zwar Lebenszyklen in der Technologiebranche etwas kürzer sind, ich aber mit einer positiven Entwicklung in diesem Bereich vor allem in den Emerging Markets und einem relativ hohen Wirtschaftswachstum rechne.

Für mich wäre das Unternehmen mit dieser doch recht optimistischen Prognose in 5 Jahren 43, 449 Milliarden wert. Das war natürlich jetzt nur eine sehr grobe Analyse aber zumindest hat man einmal einen Wert. Für mich reicht diese Differenz aufgrund der hohen Unsicherheit die in meinen Prognosen steckt übrigens nicht aus um zu investieren.

Hässliche Entlein

Ich persönlich halte mich generell von Aktien fern die stark in der Diskussion stehen oder gerade überall hoch gelobt werden. Für mich sind kleine Unternehmen wie beispielsweise M-Dax Unternehmen die beispielsweise einfach Medikamente Dosen herstellen sowohl zur Analyse als auch als Investment meist einfach attraktiver.

Ich investiere also lieber in die hässlichen Entlein, bei denen die inneren Werte stimmen.

CEO-Faktor

Einen ganz wichtigen Faktor der vor allem bei technologischen Growth-Aktien entscheidend ist, ist der CEO.

Ich hab vor kurzem ein richtig interessantes Interview mit dem CEO Satya Nadella von Microsoft gelesen. Nach einer kurzen Zeit bei Sun Microsystems begann er 1992, für Microsoft zu arbeiten. Bevor er im Februar 2014 die Nachfolge von Steve Ballmer als CEO antrat, war er für die Clouddienste des Unternehmens zuständig.

Aber in den zwei Jahren wo er jetzt CEO ist hat er schon sehr viele große Umwälzungen im ganzen Konzern gemacht und daran merkt man auch, was ein einziger Typ, sowohl positiv als auch negativ anrichten kann.

Vor allem in Amerika haben CEOs nämlich oft noch viel mehr Macht als bei uns in Europa. Das liegt daran, dass der Aufsichtsrat welcher den Vorstand überwachen soll oft als Vorsitzenden bzw. Chairman den Vorstandsvorsitzenden also den CEO hat. Das darf man in Europa nicht was auch Sinn macht, schließlich kann sich der CEO eigentlich nicht selbst überwachen.

Naja jedenfalls waren vor Amtsantritt von Satya Google und Microsoft wirkliche Hass-Konkurrenten.

Die beiden Unternehmen haben sich bspw. immer gegenseitig mit Klagen überzogen. Microsoft hat bis damals immer Google in Brüssel angeklagt, was Dinge wie Datenschutz usw. betrifft.

Das haben sie unter dem neuen CEO alles abgestellt und die Feindschaft zur Seite gelegt. Er hat Microsoft auch in viele neue Geschäftsbereiche gebracht und dafür gesorgt, dass Microsoft in Fachkreisen schon wieder als innovativer als Apple gehandelt wird.

Und da merkt man zum einen wie schnell sich alles ändern kann und wie groß die Rolle des CEOs dabei ist. Ich meine wär hätte vor 5-10 Jahren vor 2 Jahren bei der Frage ob Microsoft oder Apple innovativer und besser ist Microsoft gewählt?

Und dabei ist jetzt natürlich die spannende Frage, wie man einen CEO analysieren kann bzw. wie man versuchen kann in seinen Kopf einzusteigen um zu überlegen, ob das einer ist auf den man sich Long Term verlassen kann oder ob das nur einer ist, der schöne Interviews führt damit seine Aktie nach oben schießt, er seine Optionen realisieren kann um sich dann aus dem Staub zu machen.

Das ist eine sehr komplizierte Angelegenheit, weshalb dazu wahrscheinlich auch noch ein separater Artikel folgen wird. Aber es gibt einige Faktoren auf die ich noch kurz eingehen möchte. 

Zum einen ist es immer sehr positiv, wenn der CEO richtig viele Aktien vom Unternehmen hat, also nicht nur ein paar Optionen, sondern einen ordentlichen Anteil am jeweiligen Unternehmen.

Weil es dann auch in seinem Interesse ist, das Unternehmen voranzubringen.

Stell dir doch mal folgendes vor:

Angenommen, da ist ein Unternehmen, dem es richtig schlecht geht und die sagen dir, dass sie dich als neuen Chef wollen.

Wenn du das Potenzial im Unternehmen siehst, aber weißt, dass es gerade stark abgestraft und eigentlich viel zu niedrig bewertet ist, da du es wieder auf Kurs bringen wirst, dann ist das erste was du machst nachdem du den Job angenommen hast, dir richtig viele Aktien zu kaufen.

Das zeigt dann nämlich sowohl, dass der CEO in dem Fall du an das Unternehmen, aber eben auch an dich selbst glaubst.

Eingepreist oder nicht?

Am Schluss dieses Artikels möchte ich dir noch eine kleine Grundregel und ein kleines Grundprinzip mitgeben um das es bei der Aktienbewertung eigentlich immer geht, vor allem bei Growth-Unternehmen. Und zwar geht es eigentlich immer darum, sich zu fragen, was schon im Kurs der Aktie eingepreist ist.

Nehmen wir als Beispiel Tesla, der Kurs der Aktie ist in den letzten 5 Jahren um 1.019,76% gestiegen.

Klar kann es passieren, dass sich der Kurs der Aktie noch einmal verdoppelt, aber man sollte sich fragen, was bei einer Markkapitalisierung von 26 Milliarden bei einem Umsatz von 4 Milliarden nicht schon eingepreist ist. In diesem Kurs sind schon alle optimistischen Erwartungen eingepreist die man sich nur irgendwie vorstellen kann.

In der Regel ist es auch so, dass in den meisten Kursen schon fast alle deine Erwartungen eingepreist sind, natürlich gibt es auch Aktien bei denen nicht alles eingepreist ist. Diese Aktien sind dann aber meist nicht die, die gerade gefeiert werden, sondern die die gerade richtig abgestraft werden.

Und genau das ist dann auch der einzige Punkt an dem solche Unternehmen für mich interessant werden, also zum einen wenn sie im Zuge eines Crashs abgestraft sind, aber auch wenn sie aufgrund von etwas negativeren Quartalszahlen abgestraft werden.

Denn ein Unternehmen wie Microsoft hat natürlich keinen riesen Fuhrpark, aber fast jedes Unternehmen braucht Microsoft bzw. deren Software und muss sich auf das Unternehmen verlassen. Und auch das ist eine gewisse Substanz, die hinter dem Kurs steht. Und wenn der Kurs auf ein niedrigeres Niveau fällt kann es auch bei solchen Unternehmen sein, dass man Kurse aufgrund der aktuellen Zahlen gut gerecht fertigen kann.

Die Möglichkeit einer solchen Abstrafung und Unterbewertung findet man natürlich oft im Crash. Aber teilweise fokussiert sich der Markt auch sehr stark auf Quartalszahlen, die mich eher wenig interessieren und straft aufgrund dieser, Unternehmen ab und genau dann schlage ich zu.

Da meine Prognosen in der Regel nämlich nicht von Quartalszahlen beeinflusst werden, außer sie sollten ganz miserable sein, kommt es in diesen Fällen oft zu Kursen in denen ich das Unternehmen als attraktiv und unterbewertet ansehe.

Denn oft sind Quartalszahlen auch deshalb nicht so gut, da das Unternehmen beispielsweise in diesem einen Quartal einen Großteil der Investitionen macht. Aber auch wenn das Unternehmen generell mehr investiert und dadurch die Ergebnisse kurzfristig etwas schlechter ausfallen, ist mir das langfristig egal bzw. gefällt mir sogar, da der Wert des Unternehmens dadurch Long Term steigt.

Nehmen wir als Beispiel die Firma Alphabet, bei denen das einzige Produkt das rentabel ist, Google ist, die anderen Projekte sind alle sehr langfristig orientiert aber auch noch gewisse Spekulationen und mit diesen anderen Projekten werden zwar aktuell noch Verluste eingefahren, doch wenn nur ein paar von ihnen gut gehen, kann das den Wert des Unternehmens enorm steigern.

Außerdem ist das auch ein weiterer Faktor an dem man einen guten CEO erkennt, wenn er sehr langfristige Projekte angeht zeugt das davon, dass er eine gewisse Vision und ein langfristiges Ziel mit dem Unternehmen hat.

Und in diesen Fällen kann es eben passieren, dass der Markt etwas negativ einpreist, während ich es sogar positiv sehe und genau dann ist eine meiner Erwartungen nicht eingepreist und ich investiere.

Kenne die Technologie und das Unternehmen!

Aber um das einschätzen zu können muss man sich natürlich sehr gut mit dem jeweiligen Unternehmen auskennen und auch mit den Technologien die es hat und in die es investiert.

Beispielsweise nutzen jetzt alle Leute Smartphones, aber der CEO von Microsoft hat eben in diesem Interview gesagt, dass, wenn Microsoft erst einmal Dinge wie die HoloLens kommen niemand mehr Handys haben wird. Und da muss man sich jetzt natürlich auch technologisch gut auskennen, um zum einen solche Aussagen eines CEOs bewerten zu können aber auch um auf der anderen Seite zu wissen ob gewisse Investitionen des Unternehmens Sinn machen.

Beispielsweise wurden die Smart-Watches auch immer als der neue Smartphone-Ersatz angepriesen, bisher konnten sie sich aber im Markt noch nicht behaupten.

Natürlich kann es aber da wieder sein, dass diese Uhren erst in ein zwei Jahren voll einschlagen werden, denn oft ist es so, dass der Markt einfach noch nicht bereit ist.

Beispielsweise war das auch bei den E-Book Readern so, die Apple ja schon Jahre vor Amazon herausbringen wollte, der Markt aber noch nicht bereit war. Als Amazon ein paar Jahre später mit dem Kindel kam schlug das Gerät plötzlich voll ein.

Und da ist eben die Frage ob du da technologisch und zukunftsmäßig fit genug bist, um so etwas einzuschätzen.

Naja abschließend kann man sagen, dass es immer interessant ist, wenn ein gutes Unternehmen mit vielen Produkten mal fällt, weil es aufgrund Investitionen oder was auch immer einmal ein schlechtes Quartal hatte.

Und da muss man sich eben immer fragen, ob dieser Rückgang gerechtfertigt ist, oder es sich nur um etwas Temporäres handelt und die Aktien sich wieder erholen werden.

Aber natürlich ist es bei jedem Kursfall so, dass weniger Erwartungen eingepreist sind und dadurch die Chancen, dass sich diese erfüllen höher sind als die dass sich sehr hohe Erwartungen erfüllen. Aber natürlich kann es im schlimmsten Fall immer bis auf 0 fallen.

Aber wenn das Unternehmen trotz Kursverfall meiner Meinung nach gleich gut geblieben ist bedeutet das für mich einen Rabatt und das wiederum bedeutet, ein besseres Chancen-Risiko Verhältnis.

Ich hoffe dieser Artikel hat dir gefallen und du konntest einiges für dich mitnehmen. Eine kleine Hausübung gibt es auch heute wieder, suche dir ein technologisches Growth Unternehmen aus und führe einfach einmal den 3-Schritte-Prozess durch.

Den ermittelten Wert kannst du anschließend unter diesem Artikel posten.

Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und

rationale Grüße,

Kolja Barghoorn 

Die Studie zum Thema Growth oder Value Aktien: http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2358

 

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