Wichtig, BEVOR Du Aktien bewerten kannst!

In diesem Artikel geht es um die Voraussetzungen für richtige Aktienbewertung! Genau wie ein Arzt zunächst viele Therapieformen erlernen und kennen muss, um in den jeweiligen Fällen die bestmögliche Therapie zu verordnen, muss man auch bei der Unternehmensbewertung zunächst die geeigneten Bewertungsverfahren erlernen und wissen, wann welche anzuwenden ist um das bestmögliche Ergebnis zu erhalten. 

In den folgenden vier Monaten werden sehr viele Artikel zu diesem Thema folgen, und der heutige soll den Grundstein dafür legen.

Dabei werde ich zuerst darauf eingehen, welche Voraussetzungen man selbst erfüllen muss, damit sich die Aktienbewertung überhaupt lohnt bzw. diese Sinn macht und damit natürlich für wenn die Artikel zu diesem Thema geeignet sind und für wenn eher nicht.

Die wichtigsten Voraussetzungen für Aktienbewertung

Denn für einen passiven ETF-Anleger, der sich nicht intensiv mit dem Thema Aktien beschäftigen will, macht es keinen Sinn Bewertungsmethoden zu erlernen, vor allem da er diese mit seiner Strategie nicht einmal umsetzen bzw. brauchen kann.

Danach werde ich auf ein paar Vorteile der Aktienbewertung eingehen, also darauf was einem die Aktienbewertung überhaupt bringt. Eine der wichtigsten Kennzahlen dabei ist der Return on Time Invested (ROTI) also die Höhe der Rendite, die man für die Zeit bekommt, die man investiert hat. Das ist deshalb so wichtig, weil Zeit unsere kostbarste Ressource ist, und wir dementsprechend effizient damit wirtschaften sollten.

Außerdem werde ich zeigen, wie sich unseriöse von seriösen Bewertungen unterscheiden. Denn die Bewertung eines Unternehmens ist ein riesiger Prozess, den man nicht einfach anhand einer magischen Formel mit zehn Minuten Zeitaufwand ersetzen kann. Immer wieder stößt man zu diesem Thema auf solche Formeln wie U=D/R, also der Unternehmenswert ist die Dividende geteilt durch die Risikoforderungen. Solche Formeln sehen zwar immer super aus, doch was ist wenn ein Unternehmen gar keine Dividende ausschüttet, ist es dann deshalb nichts mehr wert?

Danach werde ich noch auf die 5 Schritte eingehen, die man bei jeder seriösen Aktienbewertung durchführt. Am Schluss werden wir auch noch mit ein bisschen Praxis starten und zwar werde ich die Branchenstrukturanalyse bzw. das Fünf-Faktor-Modell, anhand einiger Beispiele vorstellen.

Vorteile der Aktienbewertung

Kommen wir auch schon zum ersten Thema, also zu den Vorteilen der Aktienbewertungen und dazu für wenn diese überhaupt geeignet ist.

Natürlich gibt es viele Anleger, die sich nicht so intensiv mit dem Thema beschäftigen und stattdessen einfach passiv investieren wollen, um ihre Zeit für andere Dinge zu verwenden, was auch vollkommen in Ordnung ist.

Aber dennoch gibt es viele Vorteile für Aktienbewertungen, bzw. für die Leute die diese durchführen.

1. Mögliche Outperformance

Der erste Vorteil besteht in der Möglichkeit, den Markt langfristig zu "outperformen". Die Wahrscheinlichkeit, dass man das schafft ist zwar gering, doch immer noch höher als bei jemandem der es gar nicht versucht oder einfach ohne Überlegungen Aktien kauft, weil er glaubt der Kurs wird steigen.

Dabei besteht die Chance darin, durch die Bewertung von Unternehmen unterbewertete Aktien zu finden, diese zu kaufen und zu warten bis sich die Unterbewertung korrigiert, wobei man dann eine Überrendite erzielen kann.

Das Interessante dabei ist, dass man als aktiver Investor, der versucht unterbewertete Aktien zu finden um dann eine Überrendite zu erzielen, langfristig an die Effizienzmarkthypothese glauben muss. Denn man geht davon aus, dass sich die Unterbewertung aufhebt und die Aktie auf einen fairen Wert steigt, was die Effizienz der Märkte erfordert.

Wenn jemand also nicht an die langfristige Effizienz der Märkte glaubt, dann macht eine Aktienbewertung auch keinen Sinn, außer der Anleger hat die Absicht, kurzfristig von seinem Aktienhandel zu profitieren aufgrund einer anderen Marktanomalie.

Allerdings muss man zu diesem Vorteil anmerken, dass meiner Meinung nach der unglaubliche Zeitaufwand einer Unternehmensbewertung nicht allein durch die Möglichkeit gerechtfertigt werden kann, eine Outperformance zu erzielen. Doch zum Glück gibt es noch viele weitere Vorteile.

2. Motivation und Spaß

Der zweite Vorteil, den zumindest ich bei der Unternehmensbewertung empfinde, ist der unglaubliche Spaß und die Motivation die mir die Auseinandersetzung mit diesem Thema bringt.

Bei mir ist es einfach so, dass mir das Lernen und das Verstehen wie gewisse Dinge funktionieren sehr viel Spaß, intrinsische Motivation und Befriedigung bringt. Dabei motiviert mich das Verstehen von komplexen Zusammenhängen mehr als jedes Motivationsvideo dieser Welt.

Diese intrinsische Motivation treibt mich auch dazu an, verschiedene Geschäftsberichte zu lesen, Bilanzen zu vergleichen usw..

3. Mehrwert für Unternehmer

Doch es gibt noch weitere Vorteile, stell dir einfach vor du führst dein eigenes Unternehmen, so wie ich auch. Bei der Aktienbewertung geht es ja im Grunde auch immer darum das gesamte Unternehmen zu bewerten und zu analysieren und den Wert dann auf die Aktien aufzuteilen um den fairen Wert der Aktie zu finden. Oder wie Warren Buffet immer sagt: „Stell dir vor, du würdest das ganze Unternehmen übernehmen.“

Dabei schaut man sich die verschiedensten Sachen an, die den Wert eines Unternehmens ausmachen. Man analysiert dabei z.B. die Finanzierungsstruktur des Unternehmens, also wie viele Schulden es im Vergleich zum Eigenkapital hat, aber auch die Profitabilität, Wachstumsaussichten oder wie gut es gegen Konkurrenz abgesichert ist.

All das Wissen kann man dann auf sein eigenes Unternehmen übertragen, um es profitabler, wachstumsstärker oder abgesicherter zu machen und damit als Unternehmer schlussendlich erfolgreicher zu werden.

Doch auch wenn man beispielsweise sein Unternehmen einmal verkaufen oder damit an die Börse will, weiß man durch die Aktienbewertung, wie man den Wert des eigenen Unternehmens steigern kann um dann einen höheren Verkaufspreis bzw. Kurs zu erzielen.

4. Mehrwert für Angestellte

Aber nicht nur für Unternehmer macht es Sinn sich mit Unternehmensbewertung auseinanderzusetzen. Auch für Angestellte kann das Erlernen von Unternehmensbewertung einen großen Mehrwert bieten.

Denn wenn man weiß, wie man den Wert des Unternehmens, in dem man angestellt ist, erhöhen kann oder gute Ideen hat, wie das Unternehmen sich besser absichern kann oder profitabler wird, dann wird das auch für die Karriere nur von Vorteil sein.

Vor allem wenn man in den Bereich des Managements aufsteigen will, kann Wissen und Humankapital in diesem Bereich enorm hilfreich sein und zu Beförderungen führen. Denn wenn du gewisse Dinge im Unternehmen einfach viel besser verstehst als die meisten Anderen, dann wird man dir auch mehr Verantwortung übertragen als Anderen bzw. dich im Unternehmen halten wollen.

Das waren jetzt schon einmal einige der Vorteile die einem die Unternehmensbewertung bzw. das Erlernen dieser liefert, dabei muss man natürlich immer selbst abwägen wie viel Zeit man in dieses Thema investieren will, denn die Vorteile bzw. deren Wichtigkeit sind auch immer individuell verschieden, weshalb man immer selbst überlegen muss welchen ROTI man bekommt und ob dieser attraktiv genug ist um sich mit Unternehmens- bzw. Aktienbewertung zu beschäftigen.

Soviel zu den Vorteilen, nun zum nächsten Thema und zwar den 4 grundlegenden Modellen der Unternehmensbewertung. Aber bevor wir dazu kommen noch eine kleine Anmerkung.

Unternehmensbewertung ist kein Kinderspiel

Man sollte sich bewusst machen, dass seriöse Unternehmensbewertung nicht einfach ist und es sehr viel Zeit erfordert sich in dieses Thema einzuarbeiten bzw. danach Unternehmen mit den jeweiligen Methoden zu bewerten.

Natürlich kann man es sich immer einfach machen und beispielsweise einfach das KGV und die Dividendenrendite von Unternehmen zu vergleichen und dann die mit dem geringsten KGV und der höchsten Dividendenrendite kaufen, doch so einfach ist das Ganze nicht, bei weitem nicht.

Denn würde Unternehmensbewertung so einfach funktionieren, dann wären wir alle längst Multimillionäre, doch das sind wir nicht und das liegt daran, dass Unternehmensbewertung wirklich kein Kinderspiel ist.

Nun aber zum nächsten Thema.

Es gibt im Grunde vier Modelle für die Unternehmens- bzw. Aktienbewertung und genau auf diese werde ich jetzt eingehen.

Die vier grundlegenden Modelle der Unternehmensbewertung

 Modell # 1 Cashflow-Modell

Das erste Modell, auf das ich auch schon in anderen Artikeln und Videos ein bisschen eingegangen bin ist das Cashflow-Modell. Dazu zählt die Discounted Cashflow Analyse welche von einer der ersten Analysen bzw. Methoden des Cash-Flow-Modells abgeleitet wurde, der Dividend-Discount-Methode, auf Deutsch Dividenden-Diskontierungs-Methode.

Diese Methode wurde von John Burr Williams entwickelt und wird in seinem empfehlenswerten Buch The Theory of Investment Value erläutert.

Der Gedanke hinter dem Cashflow-Modell bzw. den verschiedenen Methoden dieses Modells, besteht darin zu schauen, was alle zukünftigen Cash-Flows oder eben Dividenden, die das Unternehmen erwirtschaften bzw. ausschütten wird heute wert sind. Dieser Wert ist dann der Wert des Unternehmens bzw. der der Aktien. Anhand dieses Wertes kann ich dann herausfinden, ob das Unternehmen aktuell überbewertet oder unterbewertet ist.

Dabei nutzt man wieder das Prinzip des Barwerts, welches schon in anderen Artikeln und Videos erklärt wurde. Hier noch einmal eine kurze Erklärung bzw. ein kurzes Beispiel, das das Prinzip des Barwerts verdeutlichen soll:

Der Barwert

Der Barwert gibt an, was das Unternehmen heute Wert ist, wenn man alle Geldflüsse bzw. Cashflows welche es in der Zukunft generiert und zahlen muss mit einbezieht.

Doch dieses Prinzip funktioniert nicht nur bei Unternehmen sondern zum Beispiel auch bei Immobilien.

Ein kurzes Beispiel dazu: Wenn ich den Wert meiner Wohnung hier auf Mallorca bestimmen will, dann mach ich das ja nicht nur anhand des Ausblicks oder der Möbel die gerade in der Wohnung sind, sondern ich schaue mir natürlich auch an, welche Miete ich mit dieser Wohnung in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren erzielen kann.

Um zu bestimmen, wie viel diese zukünftigen Mieteinnahmen heute Wert sind, muss ich diese abzinsen. Denn wie du ja weißt, sind 100 Euro heute mehr wert als 100 Euro in einem Jahr, da ich ja mit den hundert Euro die ich heute bekomme investieren und damit eine Rendite erzielen kann.

Genau um die Rendite, die ich mit den hundert Euro heute erzielen kann, muss ich die hundert Euro in einem Jahr abzinsen um zu wissen wie viel die hundert Euro heute Wert sind.

Natürlich berechne ich mir aber nicht nur was die Miete in einem Jahr sondern in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren heute wert ist.

2. Wertschöpfungs-Modell

Das zweite Modell, mit dem man Unternehmen bewerten kann, ist das sogenannte Wertschöpfungs-Modell, welches z.b. das Residualgewinnmodell umfasst. Hier analysiert man, wie hoch der sogenannte "Übergewinn" eines Unternehmens ist. Das ist der Gewinn, der zusätzlich übrig bleibt, nachdem die Kosten für das Eigenkapital (Dividenden) und Fremdkapital (Zinsen), also im Prinzip aller Gläubiger und Aktionäre, bereits gezahlt worden ist. Je höher der Übergewinn, desto attraktiver das Unternehmen.

3. Das Multiplikatoren-Modell

Beim Multiplikatoren-Modell analysiert man nicht wie beim Wertschöpfungs-Modell und beim Cashflow-Modell das Unternehmen selbst, stattdessen vergleicht man das Unternehmen mit anderen aus derselben Branche und versucht dadurch herauszufinden ob es günstig bewertet ist oder eher teuer.

Man bezeichnet die Unternehmensbewertung nach diesem Modell auch als relative Bewertung bzw. relative Valuation.

Zum Vergleich der Unternehmen verwendet man sogenannte Multiplikatoren bzw. Kennzahlen. Dazu zählen auch Kennzahlen wie das KGV aber noch viele weitere. Dabei gibt es Kennzahlen die die Kapitalstruktur analysieren, also wie viel Schulden und Eigenkapital ein Unternehmen hat.

Des Weiteren gibt es Multiplikatoren, die die Rentabilität, die Zahlungsfähigkeit bzw. Liquidität, die Struktur der Vermögenswerte, die Struktur des Einkommens und vieles weitere analysieren bzw. vergleichen.

Diese Methode wirkt auf den ersten Blick oft sehr einfach, doch um sie seriös zu betreiben muss man sich sehr gut auskennen, was bilanztechnische Themen und auch bilanzrechtliche Themen betrifft. Beispielsweise sollte man gut über die verschiedenen Richtlinien in verschiedenen Ländern informiert sein, da es in diesem Bereich Unterschiede gibt, die die Bewertung durchaus stark verfälschen können.

Ein sehr empfehlenswertes Buch zum Multiplikatoren-Modell ist „Security Analysis“ von Benjamin Graham.

(Hier gibt es diesen Artikel auch als Video auf Youtube)

Optionspreis-Modell

Das letzte Modell, mit dem ich mich selbst erst seit kurzem beschäftige ist das sogenannte Optionspreis-Modell bzw. die Optionspreis-Theorie, in dieses arbeite ich mich selbst gerade erst ein.

Das waren jetzt erst einmal die vier fundamentalen Modelle, die es gibt um Unternehmen zu bewerten. Wenn man diese vier lernt kann man immer je nach Unternehmen bzw. Situation das Modell auswählen das am besten passt, genau wie der Arzt der immer je nach Patient eine andere Therapie wählt.

Man kann diese vier Modelle aber auch vermischen, beispielsweise lässt sich das Multiplikatoren-Modell sehr gut mit den anderen Modellen verbinden.

Ich denke die Erläuterung der vier Modelle zeigt auch schon, dass Unternehmensbewertung doch etwas komplexer und vielfältiger ist als sie auf den ersten Blick scheint.

Fehler bei der Aktienbewertung

Nun zu ein paar Fehlern die bei der Aktienbewertung immer wieder gemacht werden, und zwar besonders deshalb, weil viele Anleger immer wieder die Abkürzung bzw. den einfachen Weg suchen wollen, denn es einfach nicht gibt.

Viele Bücher wie beispielsweise das Buch „So liest Warren Buffet Unternehmenszahlen“ scheinen auf den ersten Blick so einen Short-Cut zu bieten. Ich habe das Buch auch gelesen und muss sagen, dass es einfach zu stark vereinfacht.

Es wird beispielsweise gesagt, dass Warren Buffet nur in Unternehmen mit einer großen Absicherung oder Burggraben, wie er es nennt, gegenüber Konkurrenten investiert.

Das mag zwar Stimmen doch im Buch wird daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass Unternehmen mit hohen Gewinnmargen besser sind als Unternehmen mit niedrigen Gewinnmargen.

Dabei kann man diese Schlussfolgerung an Hand eines ganz einfachen Beispiels widerlegen. Schauen wir uns beispielsweise die beiden Unternehmen Aldi und Lidl an.

Dann stellen wir, rein hypothetisch fest, das Lidl eine Gewinnmarge von 50 % hat, Aldi aber nur eine von 30 %. Laut dem Buch ist Lidl ein besseres Unternehmen als Aldi, das muss aber überhaupt nicht stimmen.

Es könnte ja beispielsweise sein, dass Aldi nur geringere Margen hat, weil es die Produkte günstiger verkauft als Lidl, mit der Zeit werden immer mehr Kunden von Lidl zu Aldi wechseln, da Aldi einfach billiger ist.

Damit macht am Schluss Aldi viel mehr Umsatz als Lidl und hat trotz der geringeren Margen immer noch einen höheren Profit.

Die meisten Fehler die bei der Aktienbewertung gemacht werden, bestehen genau darin, dass Leute die Abkürzung suchen die auf den ersten Blick plausibel klingt, sich aber im Nachhinein oder bei genauerem Hinsehen als Unsinn erweist.

Wichtig ist auch das man alles was man zu diesem Thema liest und hört, vor allem wenn es sehr unkompliziert und plausibel klingt hinterfragen, überprüfen und testen sollte.

Die Schritte der Unternehmensbewertung

Vor allem viele Anfänger haben das Problem, dass sie nicht wissen wo sie anfangen sollen. Es gibt so viele Daten zu den verschiedenen Unternehmen, sodass viele Neulinge schon deswegen aufgeben, weil sie nicht einmal wissen was sie als erstes tun sollen.

Deshalb ist es wichtig eine gewisse Struktur bzw. ein System zu haben, dem man bei der Bewertung folgt. Ich mache das immer mit Schritten die ich der Reihe nach bei jedem Unternehmen durchgehe.

1. Schritt: Unternehmen und Geschäftsmodell verstehen

Der erste Schritt ist immer, dass ich das Geschäftsmodell des Unternehmens verstehe, bevor ich überhaupt anfange es zu analysieren. Warren Buffet bezeichnet das auch als Circle of Competence bzw. Kompetenzkreis auf den man sich bei seinen Analysen und Investitionen beschränken sollte.

Dabei gilt es zuerst zu verstehen, wie das Unternehmen Geld verdient bzw. wer die Kunden sind, welche Konkurrenzunternehmen es gibt usw. Dabei ist das Entscheidende einfach ein gewisses Gefühl für das Unternehmen zu bekommen. Dazu ist es nötig viel über das Unternehmen zu lesen zu recherchieren um möglichst viel Information zum Unternehmen zu bekommen.

Im Zuge dieser Recherche sollte man sich auch darüber informieren, wie und vor allem wie viel das Unternehmen investiert , welche Strategie es aktuell verfolgt, wie die aktuelle Schuldenstruktur aussieht usw.

Es gilt also sich in diesem ersten Schritt einen Überblick über das Unternehmen zu verschaffen und ein gewisses Gefühl für das Unternehmen zu bekommen. Man kann sich das auch wieder vorstellen wie einen Arzt, der auch zuerst ein bisschen mit der Person spricht und einige Tests bzw. Untersuchungen macht um sich einen guten Überblick zu verschaffen.

2. Schritt: Prognosen der Unternehmensperformance

Wenn man einen Überblick über das Unternehmen hat kann man den zweiten Schritt angehen und zwar den, anzufangen, gewisse Prognosen für die Zukunft zu machen.

Jeder aktive Investor der Unternehmen bewertet muss gewisse Prognosen für die Zukunft anstellen ohne das geht es einfach nicht.

Das bedeutet das man gewisse Annahmen treffen muss darüber, wie sich das Unternehmen in Zukunft entwickeln wird, dazu ist es auch wichtig, dass man sich schon im ersten Schritt über die Branche und deren Wachstumsaussichten informiert hat.

Aus diesen Annahmen kann man dann gewisse Wahrscheinlichkeiten ableiten und erst wenn das alles erledigt wurde, kann man ein geeignetes Bewertungsverfahren auswählen.

Wenn wir wieder auf das Beispiel mit dem Arzt zurückkommen ist der zweite Schritt der, indem der Arzt die Untersuchungen auswertet, um daraus eine Diagnose abzuleiten. Und anhand dieser Diagnose wählt er nun eine geeignete Therapieform aus.

3. Schritt: Geeignetes Bewertungs-Modell aussuchen

Beispielsweise kann man einen Real Estate Investment Trust sehr gut mit einem Dividendendiskontierungs-Modell analysieren, da diese Unternehmen verpflichtet sind einen fixen Anteil am Gewinn als Dividende auszuschütten.

Dabei ist es bei diesem Beispiel auch deshalb Schritt eins so wichtig sich, da viele Immobilien-Unternehmen im Namen zwar das Kürzel REIT haben, aber gar keine REITs sind. Ob es sich wirklich um einen REIT handelt, was die Bewertung enorm beeinflussen kann, erfährt man natürlich erst wenn man genau über das Unternehmen recherchiert.

Bei einem Unternehmen wie Tesla oder anderen Wachstumsunternehmen macht es hingegen meist keinen Sinn ein Dividendendiskontierungsmodel zu wählen, weil Wachstumsunternehmen in der Regel nicht einmal Dividenden ausschütten.

Die Auswahl des Bewertungs-Modells darf man nicht unterschätzen, denn genau wie bei einem Arzt bei dem nicht alle Therapieformen für jede Diagnose geeignet sind, ist das auch mit den verschiedenen Bewertungsmodellen bei der Unternehmensanalyse.

4. Schritt: Aktienwert bestimmen und Ergebnis anwenden

Der letzte Schritt, und das ist jetzt auch wirklich der Schritt der BeWERTung geht es darum, den Wert des Unternehmens anhand von Zahlen zu errechnen. Man versucht nun also die vorhergehenden Schritte in ein Ergebnis und einen fairen Wert umzuwandeln.

Dabei kann man beispielsweise auch mehrere Werte errechnen, z.B. einen konservativen und einen optimistischen.

Und wenn man dann einen konkreten Wert hat, wie beispielsweise, dass das Unternehmen Netflix aktuell nach der eigenen Analyse 50 Euro wert ist, geht es darum, dass Ergebnis umzusetzen.

Dazu sollte man sich eine gewisse Margin of Safety zurechtlegen, wenn man also beispielsweise einen Wert von 50 Euro für Netflix errechnet, dann kauft man nicht sofort wenn die Aktie bei 50 Euro notiert sondern vielleicht erst, wenn sie auf 45 oder 40 fällt, je nach eigenem Bedürfnis.

Man legt sich dann also ein Kursziel mit eingebauter Margin of Safety fest und wenn die Aktie dieses Kursziel erreicht, oder wenn sie es schon erreicht hat, dann kauft man die Aktie.

Denn bei der Aktienbewertung gilt das Motto vom Unternehmerkanal:

Umsatz kommt von Umsetzungen

Dann kann man sich noch ein Kursziel festlegen, zu dem man die Aktie wieder verkauft oder man kann sich natürlich auch entscheiden, die Aktie langfristige im Depot zu halten.

In der Praxis ist das Ganze ein sehr langwieriger und komplexer Prozess, weshalb auf diesem Blog und natürlich auf meinem Kanal in den nächsten vier Monaten intensiv auf dieses Thema eingegangen wird.

Rationale Grüße,

Kolja Barghoorn

 

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Kolja Barghoorn - Aktien mit Kopf

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