Welcher INDEX bei ETFs? RISIKO und Performance SWAP vs. Physische ETFs

Heute gibt es den zweiten Artikel der ETF-Bewertungsserie „Zum perfekten ETF“ und zwar geht es um Indizes, also die Frage worin man eigentlich sein Geld investiert, welche Indizes es gibt, wie diese berechnet werden und wieso es eine Frechheit ist, Fonds mit Kursindizes zu vergleichen.

Dann werden wir uns noch ansehen wie ein ETF einen Index abbilden kann, sprich replizierend oder synthetisch und welche Abbildungsart für wen geeignet ist, denn nur wenn wir diese Fragen beantworten, können wir auch nach und nach den perfekten ETF finden.

Auf Immobilien übertragen schauen wir uns also heute vor allem an, in welcher Stadt wir wohnen wollen, um danach die perfekte Immobilie finden zu können.

Damit aber auch schon genug der Einleitung und ich würde sagen wir springen direkt zur ersten Frage.

Was ist ein Index überhaupt?

Man kann einen Indizes am besten mit Blumenvasen vergleichen doch statt Orchideen, Rosen und Tulpen sind in diesen Blumenvasen Aktien, Anleihen und Zertifikate.

Und je nachdem welche Blumen man in diese Vasen steckt entstehen unterschiedliche Blumenvasen sprich unterschiedliche Indizes. Im DAX beispielsweise stecken die Aktien der 30 größte deutschen Unternehmen während sich im S&P 500 die 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen befinden.

Und natürlich gibt es nicht nur Blumenvasen (Indizes) mit Rosen (Aktien) sondern beispielsweise auch mit Tulpen (Anleihen), worunter beispielsweise der im letzten Video erwähnte REXP fällt.

Aber natürlich gibt es Indizes für viele andere Dinge wie Immobilien, Rohstoffe und so weiter.

Wieso sollte man den überhaupt in Indizes investieren?

Nehmen wir an du willst 1500 Euro in Aktien investieren, weil du inzwischen gelernt hast, dass Aktien eine sehr attraktive Anlageklasse sind. Dann investierst du beispielsweise 500 Euro in Lockheed Martin, 500 Euro in Raytheon  und 500 Euro in General Dynamics.

Du hast zwar jetzt 1500 Euro in Aktien investiert, allerdings bist du enorm von der Rüstungsindustrie abhängig, da du nur in Rüstungsunternehmen investiert hast und außerdem bist du enorm von der US-amerikanischen Wirtschaft abhängig, da es sich bei allen drei Unternehmen um US-amerikanische Rüstungskonzerne handelt.

Man spricht auch davon dass du bei deinen Anlagen sehr konzentriert bist, sprich alle Eier in einen Korb legst, das wird zwar von manchen großen Investoren empfohlen wieso es aber fatal ist seine Investments so zu konzentrieren erfährst du HIER.

Mit Indizes kannst du beispielsweise 1500 Euro in den MSCI World und damit in 1.645 Aktien aus 23 Ländern investieren. Aufgrund der Diversifikation machen ETFs also meiner Meinung nach bis zu einem Anlagevolumen von 100.000 Euro mehr Sinn als Einzelaktien, wobei das natürlich je nach Anleger unterschiedlich ist.

Was ist eigentlich der Unterscheid zwischen einem Kurs- und einem Performanceindex?

Nun gibt es verschiedene Arten wie Indizes diese Aktien bzw. deren Performance abbilden, sprich es gibt verschiedene Arten von Vasen die unterschiedliche Bilder von den Blumen in diesen Vasen vermitteln.

Die erste klassische Form von Indizes sind Kursindizes, wie beispielsweise der vorher erwähnte MSCI World.

Wenn man sich den Chart einmal ansieht, dann sieht man, dass dieser seit 1970 zwar ordentlich gestiegen ist, er enthält aber nur die Kurssteigerungen der Aktien, lässt also Dividenden nicht einfließen was dazu führt, dass er die wirkliche Performance die man mit diesen Aktien erzielt hätte unterschätzt, da man ja als Investor auch die Dividenden erhalten hätte welche nicht in den Kursindex einfließen.

 

Im Grunde wird also die wahre Performance des Index durch diese Abbildungsart geschmälert. Ein häufiger Trick von Banken und Anlageberatern ist es nun die Performance von Fonds mit denen von Kursindizes zu vergleichen.

Das kann dazu führen, dass die Fonds zwar in Wahrheit schlechter abgeschnitten haben als der Index, da in ihrer Performance aber die Dividenden enthalten sind und beim Index nicht kann es dennoch sein, dass sie scheinbar besser abgeschnitten haben als der Index.

Sie vergleichen als Äpfel mit Birnen, sprich sie vergleichen die Performance mit Dividenden (Fonds) mit der Performance ohne Dividenden (Index).

Die zweite Form sind Performanceindizes, bei denen es zwei Unterkategorien gibt.

Für den MSCI-World Index gibt es neben der Form des Kursindex auch noch die Form des Performanceindex, wenn man diese beiden wie in der Grafik unterhalb vergleicht, dann sieht man schon, dass die blaue Linie also der Performanceindex viel besser abschneidet als der traditionelle Kursindex.

 

Der Grund dafür ist, dass beim Performanceindex die Dividenden mit eingerechnet werden und er somit das abbildet, was man als Aktionär wirklich erhält, sprich die Kursperformance und die Dividendenausschüttungen.

Wenn man sich einen Fonds ansieht muss man ihn immer mit Performanceindizes vergleichen, da man nur so Äpfel mi Äpfeln und Birnen mit Birnen vergleichen kann. Ein klassischer Performanceindizes ist beispielsweise der DAX.

Und nun gibt es noch zwei unterschiedliche Arten von Performanceindizes bzw. zwei unterschiedliche Arten wie die Dividenden eingerechnet werden.

Es gibt einmal Performanceindizes mit dem Kürzel GDTR, Gross Dividenden Total Return, was bedeutet, dass es sich um eine Bruttoperformance handelt, es fließen also keine Steuern oder ähnliches ein sondern es wird die Bruttodividende eingerechnet.

Da man aber als Aktionäre nicht die Bruttodividende erhält sondern die Nettodividende (außer die Dividenden fallen unter den Freibetrag)  überschätzt diese Abbildungsform die wahre Performance ein wenig.

Die realistischste Abbildungsform ist deshalb der Net Return Index, in den die Nettodividenden also die Dividenden abzüglich der Steuern einfließen, wodurch dieser Index das angibt, was man wirklich bekommen hätte, hätte man selbst in die Aktien investiert.

Nun kommen wir auch schon zur Praxis und einem ganz wichtigen Tipp.

Macht euch die ganze Scheiße nicht zu kompliziert!!!

Ihr braucht nämlich meiner Meinung nach, wenn ihr zu investieren beginnt, nur einen einzigen Index-ETF und der ist meiner Meinung nach der MSCI All Country World Index ETF.

Das ist ein Index der die Entwicklung des MSCI World und des MSCI Emerging Markets zusammenfasst.

Natürlich kann man sich dafür entscheiden nur in den MSCI World zu investieren weil man den Entwicklungsländern nicht traut, das ist völlig in Ordnung, doch es sollte einem klar sein, dass man mit dieser Taktik zumindest in den letzten paar Jahren sehr viel Rendite eingebüßt hätte, da die Emerging Markets den MSCI World ganz klar outperformed haben. Aber ob man dieses Risiko, welches die Emerging Markets mit sich bringen, haben will muss natürlich jeder selber wissen.

Natürlich kann man auch mehrere kleine ETFs kaufen ich bin aber der Meinung man sollte es sich so einfach wie möglich machen und in einen globalen ETF investieren. Dabei hilft das auch den Home Bias zu überwinden also die Tendenz das eigene Land im Portfolio zu übergewichten.

Den genau dieser Home Bias oder andere persönliche Präferenzen sind oft langfristig renditeschädlich und risikoreicher als einfach in einen globalen ETF zu investieren wobei deine subjektiven Einschätzungen nicht einfließen.

Für Industrien gilt übrigens dasselbe, es macht also statistisch gesehen keinen Sinn die Pharma, Rüstungs- oder Lebensmittelindustrie zu übergewichten, da es historisch gesehen keine einzige Industrie gibt, die die anderen langfristig outperformed.

Die einzige Ausnahme ist die Tabakindustrie wobei die Unternehmen in dieser aktuell recht hoch bewertet sind und ob diese Outperformance auch in Zukunft bestehen wird ist schwer zu sagen.

Dass so etwas nicht nur praktisch sondern auch theoretisch im Grunde nicht möglich oder wahrscheinlich  ist, lässt sich ganz einfach erklären. Dort wo es im Kapitalismus Erfolg gibt, wo es hohe Renditen gibt, fließt mehr und mehr Kapital hin und damit investieren mehr und mehr Investoren in diesen Bereichen, wodurch die Kurse stiegen und die Wahrscheinlichkeit sogar groß ist, dass diese zuvor sehr gut performenden Industrien plötzlich sogar schlechter performen als der Markt.

Man bezeichnet das statistisch gesprochen auch als Regression zur Mitte.

Aus diesem Grund macht es meiner Meinung nach einfach Sinn nach Regionen und der Größe der Aktien zu diversifizieren. Das bedeutet, dass man mit dem ACWI IMI Index beispielsweise auch in Mid- und Small Cap Unternehmen investiert, was langfristig gesehen noch zu ein paar Prozent mehr Rendite führt als wenn man nur in Large Caps investiert.

Statt mehr zu konzentrieren macht es also meiner Meinung nach mehr Sinn - zumindest bei ETFs -mehr zu diversifizieren.

Replizierend oder SWAP?

Nun springen wir weg von Indizes hin zu der Art und Weise mit der ETFs Indizes abbilden. Dabei gibt es zwei Formen die synthetische und die physische Replikation, falls dir nicht klar ist, was der Unterschied ist findest du HIER noch einmal das Video mit der Erklärung.

Wenn ihr noch mehr über die Risiken von SWAP-ETFs erfahren wollt, dann könnt ihr euch HIER einen sehr guten Artikel zu diesem Thema durchlesen.

Kurz zusammen gefasst ist das Schlimmste was bei einem SWAP-ETF, mit Blick auf das Kontrahentenrisiko passieren kann, dass er 10% des Nettoinventarwerts verliert. Zum einen ist das aber sehr unwahrscheinlich und zum anderen verleihen beispielsweise auch die physischen ETFs oft einen gewissen Anteil der Wertpapiere im Fondsvermögen weiter, was ihre Rendite steigert aber auch Risiken in sich birgt.

Deshalb investiere ich persönlich zu einem Großteil in SWAP-ETFs, da ich kein wirklich großes Risiko darin sehe und diese einen Steuervorteil haben.

Performance - SWAP VS. Replizierend

Doch welche Abbildungsart performed eigentlich besser die Swap-Methode oder die Replizierende Methode?

Ich habe dazu einfach zufällig vier bekannte Indizes herausgesucht und für diese jeweils die Swap-ETFs mit den Physischen-ETFs verglichen.

Den ausführlichen Test findest du HIER im Video von Minute 19:07 bis Minute 23:08.

Fazit des Tests:

 Natürlich waren meine Versuche nicht statistisch repräsentativ aber ich habe bei dem zufälligen Test zweimal eine Outperformance der physischen und zweimal eine Outperformance der synthetischen ETFs festgestellt.

Welche Abbildungsform besser geeignet ist, mag auch je nach Index unterschiedlich sein allerdings bin ich der Meinung, dass man nicht zu viel Zeit mit derartigen Fragen verbringen sollte, da man die Zeit die man für diese paar Prozentpunkte aufwendet auch produktiv nutzen kann um sich weiterzubilden oder Zeit mit der Familie zu genießen.

Für mich gibt es also keinen generellen Gewinner, und wenn einem diese paar Prozent wichtig sind kann man sich ja auch immer ansehen ob bei dem jeweiligen Index in der Vergangenheit physische oder synthetische ETFs besser abgeschnitten haben, wobei man natürlich beachten muss, dass sich eine Outperformance in der Vergangenheit nicht unbedingt in einer Outperformance in der Zukunft widerspiegeln muss. 

Wo findet man nun eigentlich die ganzen Informationen zu den verschiedensten ETFs?

Um diese letzte und entscheidende Frag zu beantworten kann ich für alle I-Shares ETFs die Fact Sheets empfehlen welche man HIER auf der Web-Site von I-Shares findet.

Auch ist die Seite justETF gut geeignet um zumindest die wichtigsten Informationen über den jeweiligen ETF herauszufinden.

Im nächsten Artikel geht es um die Frage ob man lieber einen Ausschütter oder einen Thesaurierer wählen soll womit wir auch schon kurz davor  sind die Tracking Difference auszurechnen und damit die Serie auch schon wieder zu beenden.

Rationale Grüße,

Kolja Barghoorn

 

 

 

 

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