So findest du den perfekten ETF - Schritt 1 Asset Allocation

Heute gibt es den ersten Artikel einer kleinen ETF-Bewertungsserie, denn da die Aktienbewertungsserie vorbei ist wollte ich auch wieder etwas für die passiven Investoren in der Community machen und da habe ich mir gedacht warum machen wir nicht mal eine Serie zum bewerten von ETFs?

Auf dem Aktien mit Kopf Kanal habe ich schon zwei Playlists zu ETFs gemacht bei denen ich die Grundlagen und Basics von ETFs und passivem Investieren erkläre. Wenn du also noch ganz neu bei dem Thema ETFs und dem passiven Investieren bist, dann schaue am besten zuerst HIER vorbei.

Aber für alle passiven Investoren die sich schon ein bisschen mit dem Thema beschäftigt haben, wollte ich einfach eine kleine Auffrischungsserie mit meinen aktuellen Erfahrungen zum Thema ETFs machen, da ich ja selbst erst drei Jahre in ETFs investiere und mittlerweile einiges dazu gelernt habe.

Außerdem werden wir uns in der Serie auch mit dem Thema  der Bewertung von einzelnen ETFs auseinandersetzen. Denn auch in diesem Bereich gibt es einige interessante Fragen wie beispielsweise die Frage, was der Unterschied zwischen Tracking Error und Tracking Difference ist oder was das TER eigentlich noch einmal genau ist und warum es nicht alle Kosten enthält die bei einem ETF anfallen.

Und natürlich bewertet man einen ETF auch nicht indem man sich bspw. den Kurs ansieht, bei steigenden Kursen kauft und bei fallenden nicht. Nein, man bewertet einen ETF in der Regel danach wie gut er seinen Index abbildet.

Die Serie wird in fünf Stufen unterteilt und wenn du alle Stufen von 1-5 für dich durchgehst, dann wirst du am Ende bei deinem perfekten ETF ankommen.

Das Barghoorn´sche Stufenmodell

 Bevor die Serie startet gebe ich dir mal einen kleinen  Überblick über die 5 Schritte:

Schritt 1

Schritt  1 des Barghoorn´schen Stufenmodells besteht in der perfekten Asset Allocation, also in der Frage: „Wie viel  Kapital habe ich zum investieren und wie teile ich es auf die einzelnen Anlageklassen, manchmal auch Asset Klassen genannt, auf?“

Schritt 2

Im zweiten Artikel geht es dann um die perfekte Indexauswahl, und die perfekte Abbildungsart des  Index. Also die Frage ob man lieber einen MSCI World ETF oder doch lieber einen MSCI ACWI ETF auswählen soll und ob man lieber einen Performanceindex oder doch einen Kursindex wählen sollte.

Schritt 3

Im dritten Teil der Serie geht es darum welche Strategie du verfolgst und ob du einen ausschüttenden oder einen thesaurierenden ETF möchtest.

Schritt 4

Im vierten Artikel werden wir dann darauf eingehen wie man ETFs bewertet. Denn wie schon angedeutet zeigt das TER nicht die gesamten Kosten eines ETFs auf, weshalb ich dir eine andere Kennzahl, die Tracking Difference näher bringen werde.

Schritt 5

Und im fünften Video öffne ich die Tore in das Barghoorn´sche ETF Depot und werde euch zeigen in was ich investiere, wieso ich das mache und welche Strategie ich damit verfolge.

Die perfekte Asset Allocation

Nachdem du jetzt einen kleinen Überblick hast können wir auch gleich mit dem ersten Teil der Serie - der perfekten Asset Allocation - beginnen.

Wie gesagt ist die Asset Allocation nichts anderes als die Frage: Wie viel Geld habe ich überhaupt und wie möchte ich dieses Geld auf die verschiedenen Asset Klassen / Anlageklassen aufteilen?

 

Aber wieso will ich denn mein Geld überhaupt aufteilen?

 

Nun ja, als Investor wollen wir ja nicht nur die Rendite sondern auch ein unser Risiko  so niedrig wie möglich halten und genau  dieses Ziel wollen wir mit der Asset Allocation erreichen.

Das Klumpen-Risiko

Bist du bspw. ein Immobilieninvestor der schon drei Immobilien besitzt, und diese noch bei der Bank abzahlen muss. Du vermietest die Immobilien aber und kannst mit den Einnahmen daraus die niedrigen Ratenzahlungen leicht abdecken, wobei du zusätzlich tolle Konditionen bei der Bank bekommen hast bei denen du nur 1,5% Zinsen zahlen musst und eine zehnjährige Zinsbindung hast.

Alles läuft super du kannst mehr und mehr investieren und bist auf dem Weg zur finanziellen Freiheit, doch stell dir vor während den zehn Jahren steigt das Zinsniveau an und als die zehn Jahre plötzlich vorbei sind bekommst du neue Konditionen, das kann sich dann bei der Bank ungefähr so anhören:

„Ihr Zinsbindungsdauer ist abgelaufen daher habe ich heute die Ehre ihnen ihre neuen Zinskonditionen präsentieren zu dürfen. Wir haben weiterhin sehr attraktive Konditionen mit 8,2% für sie und die monatliche Rate steigt auch nur von 500 auf knapp unter 2000 Euro wir bleiben also weiterhin unter 2000 Euro.“

In diesem Fall wärst du gut darin beraten zwischendurch auch ein Anleiheportfolio aufzubauen. Denn wenn die Zinsen steigen, dann steigen ja auch deinen Kuponzahlungen als Anleiheinvestor und du würdest das gestiegene Klumpen-Risiko aufgrund der Immobilien-ETFs wieder ausgleichen und zwar durch Anleihen ETFs. Und genau das ist Asset Allocation.

Jetzt haben mich natürlich viele  Leute in der Aktien Mit Kopf-Community, welcher du HIER auch gerne beitreten kannst, gefragt von welchen Faktoren denn die Asset Allocation überhaupt abhängt.
Erst einmal muss man sagen, dass das von Person zu Person unterschiedlich ist. Du könntest also beispielsweise sagen, dass du im Sommer wenn die Sonne scheint mehr Risiko eingehst und im Winter nur mehr ganz sicher investieren willst.

Von welchen Faktoren das abhängt kann also jeder festlegen wie er will, für mich persönlich sind dabei allerdings vier Faktoren ausschlaggebend.

Persönliche/Berufliche Situation

Der erste Faktor ist immer die Frage nach deiner beruflichen und persönlichen Situation.

Das heißt:

  1. Welchen Job hast du, welche Fähigkeiten, wie viel Humankapital, welche Kompetenzen usw.
  2. Auch wenn du beispielsweise eine schwere oder chronische Krankheit hast erhöht das natürlich dein Risiko.
  3. Wie sieht deine private Vermögens-Situation aus, hast du vielleicht eine Lebensversicherung, hast du eine private Rentenversicherung in die du schon länger einzahlst, haben deine Eltern evtl. mehrere Immobilien die vielleicht schon abgezahlt sind?

All diese Faktoren spielen eine Rolle, denn je mehr Sicherheit du im privaten und beruflichen Alltag bereits hast, desto risikoreicher kannst du natürlich auch an der Börse investieren.

Kann ich Nachts noch ruhig schlafen?

Der zweite Faktor ist der ob man nachts noch ruhig schlafen kann. Denn ich weiß nicht wie es dir geht, aber mir machen Investments und Aktien und Börse und ETFs nur dann Spaß wenn ich mir nachts noch eine schöne Netflix-Folge von Daredevil ansehen kann und danach in Ruhe einschlafe.

Ich will nachts nicht an meine Investments denken und ich persönlich halte dabei auch die Schwankungen am Aktienmarkt aus und nehme diese gerne mit.

Aus diesem Grund kann ich einen Großteil meiner ETFs in risikoreichere ETFs wie bspw. Aktien gewichten.

Aber für andere mag das ganz anders sein. Wenn du z.B. merkst, dass dein Portfolio ist schon 20-30% abgerutscht ist und du jetzt die ganze Nacht unruhig bist, Schlafstörungen hast usw. dann solltest du dir überlegen etwas risikoärmer zu investieren.

Wie viel Liquidität brauche ich?

Die dritte Frage auf die es ankommt ist die Frage wie viel Liquidität du brauchst. Bist du also darauf angewiesen deine ETFs an einem bestimmte Punkt wieder aufzulösen und das Geld für, dein Auto, deine Wohnung, dein Surfbrett oder was auch immer zu verbrauchen?


In diesem Fall solltest du dir nämlich einmal die Folgende Grafik ansehen.

 

Bei der Grafik habe ich den Dax Performance Index mit dem sogenannten Performance Rex gegenübergestellt. Der Performance Rex, auch REXP genannt, gibt die Wertentwicklung von deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 1 bis 10 Jahren an.

Es handelt sich bei beiden Indizes um Performance-Indizes es fließen also beim Dax Dividenden und beim REXP Zinserträge mit ein.

Und wenn du dir den REXP (schwarze Linie) einmal ansiehst, dann siehst du ja ganz klar, dass es zwar auch eine Wertsteigerung gegeben hat diese ist allerdings viel geringer ausgefallen als im Dax (blaue Linie). Dafür hat der REXP viel weniger Schwankungen wie du an der schwarzen Linie erkennen kannst.

Und genau das ist ein wichtiger Faktor, denn wenn du weißt, dass du dein Geld in näherer Zukunft wieder brauchst, und du bspw. in fünf Jahre deine ETFs verkaufen musst, weil dann deine Hochzeit ansteht oder die Scheidung - falls du die schon geplant hast wink- dann kann es ja sein, dass der Aktienmarkt gerade ganz oben ist, es kann aber auch sein, dass er gerade weiter unten ist.

 Im zweiten Fall machst du einen Verlust wenn du die Liquidität gegen die Aktien eintauscht und genau das wollen wir natürlich vermeiden.

Das heißt alle Leute die schon an spezifischen Punkten mit Liquidität planen, sollten auf jedenfalls auch einen Teil ihres Portfolios bzw. ihrer ETFs in Anleihen gewichten und zwar unabhängig vom aktuellen Niedrigzinsumfeld.

Denn natürlich ist es nicht so sexy langfristige Staatsanleihen im Depot zu haben, wenn man sich jetzt aber mal die Entwicklung des REXP ansieht, dann hat auch dieser seit 1991 eine Rendite von 296,3 Prozent erzielt.

Das heißt, diese Situation die aktuell am Markt ist könnte natürlich noch eine Weile andauern aber ich glaube immer an das Prinzip der Regression zur Mitte(wenn du nicht weißt was das ist, schau dir mal das Video HIER an) also daran, dass sich die Situation auf den Kapitalmärkten langfristig gesehen immer normalisiert - was natürlich nur meine Meinung ist.

Für mich bedeutet das jetzt nicht, dass ich sehr viel in Anleihen ETFs investiere, da mir persönlich die Schwankungen nicht so wichtig sind sondern nur die langfristige Rendite und ich auch nur mit dem Geld investiere, das ich temporär sowieso nicht brauche und somit auch nicht auf Liquidität angewiesen bin. Aber für andere sieht das möglicherweise ganz anders aus.

Wie viel Geld ist jetzt und in Zukunft vorhanden?

Die vierte und letzte Frage die sich stellt ist die Frage danach wie viel Geld man überhaupt zum Investieren hat, denn jemand der bspw. nur zweihundert Euro zu investieren hat kann natürlich nicht so viele ETFs kaufen wie jemand der bspw. hunderttausend Euro zu investieren hat.

Ich würde immer tausend Euro als die Mindestdiversifikationsvoraussetzungsschwelle ansehen.

Das bedeutet, alle Summen unter 1000 Euro würde ich eher in Sparpläne stecken, da sonst die Transaktionskosten zu hoch sind. Nehmen wir bspw. mal an du hast 800 Euro und willst vier ETFs kaufen, dann hast du jedes Mal, bei jeder einzelnen Transaktion die Gebühren für den Broker, die Börse usw. und bei einem derartigen Betrag können diese Gebühren die Rendite schon ordentlich hemmen.

Wenn du die 800 Euro nur in einen ETF investierst dann sind die Kosten natürlich viel geringer.

Eine andere Variante ist es einen Sparplan aufzusetzen wobei dabei noch weniger Kosten anfallen und du dennoch diversifizieren kannst. Das liegt daran, dass die Kosten bei einem Sparplan immer als Prozent des Investments also anteilig berechnet werden wodurch es keinen Unterscheid macht ob du mehr oder weniger investierst, da die Gebühren sich immer proportional dazu entwickeln.

Beispielsweise liegen also die Kosten bei einem Prozent vom Betrag und wenn du hundert Euro investierst musst du nur einen Euro Gebühren zahlen, wenn du hingegen tausend Euro investierst musst du 10 Euro an Gebühren zahlen.

Alles über Sparpläne erfährst du HIER.

Was würde ich tun?

Wenn ich wieder ganz am Anfang wäre und nur sehr wenig investieren könnte, sagen wir ich hätte nur einmalig  500 Euro zu investieren. In diesem Fall würde ich die 500 Euro nehmen und sie in einen ETF wie bspw. den MSCI World investieren.

Dann würde ich Geld ansparen entweder über einen Sparplan  oder ich würde wieder auf eine größere Summe warten und diese Summe dann auch nur in einen ETF investieren, allerdings nicht mehr in den MSCI World sondern beispielsweise den S and P 500.

Das heißt man kann die Diversifikation auch einfach nach und nach mehr und mehr aufbauen, vor allem natürlich wenn man einen langen Anlagehorizont hat.

Nun kommen wir als Abschluss noch zu einem kurzen Asset Allocation Bespiel, welches dir zeigen soll, welche Asset Klassen eher risikoreich sind also starkschwankend und welche eher weniger.

Nehmen wir einmal an, du hast 5000 Euro zum Investieren angespart und hast nun folgenden Plan für deine Asset Allocation:

 

 

So eine Aufteilung würde bedeuten, dass deine Asset Allocation zu  70% als risikoreich, also stark schwankend anzusehen ist und zu 30% als sicher.

Wobei die Staatsanleihen als risikoarme Anlagen und sowohl Aktien, Immobilien und Rohstoffe als risikoreiche Anlagen gelten.

 

Um herauszufinden wie risikoreich deine Asset Allocation ist und auch so ein Kreisdiagramm für deine Asset Allocation zu bekommen, habe ich dir Hier eine kleine Excel Datei erstellt mit der du das ganz einfach mit nur ein paar Klicks ermitteln kannst.

 

Damit sind wir schon am Ende dieses ersten Artikels angekommen und ich hoffe natürlich du konntest einen möglichst großen Mehrwert aus diesem ersten Teil der ETF-Bewertungsserie ziehen.

Jetzt bin ich darauf gespannt was deine Meinung zu dem Thema ist, ob du eventuell noch andere Faktoren berücksichtigst oder wie du deine Asset Allocation durchführst.

 

Im nächsten Video werden wir uns dann um die Auswahl des richtigen Index kümmern.

 

Rationale Grüße,

Kolja Barghoorn

 

Die Excel Tabelle : Perfekte Asset Allocation
(Um die Tabelle zu nutzen musst du einfach nur ausfüllen wie viel du in Aktien, Immobilien, Rohstoffe oder eben Anleihen investierst, den Rest macht Excel für dich.) wink

 

Berkshire Hathaway Aktienanalyse Teil 3/4
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Kolja Barghoorn - Aktien mit Kopf

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