Die 5 großen Psycho-Fallen im Bärenmarkt

Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Es ist normal, dass es an der Börse immer wieder rauf aber auch immer wieder runter geht. In Phasen in denen die Kurse an den Börsen steigen scheint das auch allen bewusst zu sein, doch wenn die Börsen fallen bekommen viele Anleger zittrige Füße.

 

Wie kommt die Rendite des DAX zustande?

Doch man muss sich bewusst machen, dass die durchschnittliche Rendite von 7%, die der Aktienmarkt erzielt nicht dadurch zustande kommt, dass es immer genau 7% nach oben geht.

Nein, einmal geht es 30% nach unten und dann wieder 50% nach oben, dass ist ganz normaler Börsenalltag und doch machen uns psychologische Fehler, bei einer Abwärtsbewegung die Rendite zunichte.

Die Tabelle zeigt genau, dass der DAX in unterschiedlichen Jahren sehr unterschiedliche Renditen erzielt.

Während eine Baisse stattfindet, werfen viele Anleger, vor allem leider auch die mit einer "langfristigen" Anlagephilosophie, ihre Strategie über Bord. Wieso das so ist und wie du es vermeiden kannst erfährst du in diesem Artikel.

 

Das Referenzrahmenrisiko

Der erste Fehler, der viele Anleger ihre Strategie ändern lässt wird als Referenzrahmenrisiko bezeichnet. Das Risiko lässt sich am besten anhand eines Beispiels verdeutlichen:

Anleger Anton ändert seine Buy-and-Hold  Strategie, weil Anleger Berthold behauptet mit Day-Trading im letzten Jahr eine viel bessere Rendite erzielt zu haben. Das passiert in der aktuellen Zeit z.b. bei Facebook sehr häufig, wenn ein Anleger über fallende Kurse klagt, woraufhin ein Anderer mit seinen aktuellen Gewinnen prahlt.

Doch im nächsten Jahr trifft sich Anleger Anton mit Anleger Kony, dieser hat in diesem Jahr mit der Buy- and-Hold Strategie eine bessere Rendite erzielt als Anton.

Anleger Anton wird, wenn er immer wieder neue Referenzen heranzieht, nie mit seiner Strategie glücklich und vor allem erfolgreich werden, obwohl es ihm egal sein kann, wenn jemand Anderes eine bessere Rendite erzielt als er, so lange er langfristig das erreicht, was er will.

Außerdem ist es an der Börse bei kurzfristigen Strategien meist so, dass was gestern eine gute Strategie war, heute schon keine mehr ist.

Deshalb sollte man einfach bei seiner Strategie bleiben und sich nicht von anderen Referenz-ergebnissen beeinflussen lassen, deren Wahrheitsgehalt man in der Praxis sowieso selten überprüfen kann.

 

Der Fluchtreflex

 

Der nächste Fehler ist der sogenannte Fluchtreflex. Diesen Reflex gibt es bei allen Tieren, doch beim Menschen ist er stärker ausgeprägt. Beim Menschen ist es nämlich so, dass er nicht nur Angst bekommt und flüchtet, wenn ihm wirklich Gefahr droht, sondern auch wenn er sich einbildet, dass ihm Gefahr droht.

Für uns Anleger bedeutet das, dass wenn sich jemand bei fallenden Kursen eine Gefahr einbildet, nicht mehr schlafen kann, in Angstzustände verfällt und schließlich verkauft und somit flüchtet, für ihn Aktien nicht geeignet sind. Oder zumindest nicht mit einem großen Anteil des Portfolios.

Aktien schwanken immer und werden auch immer schwanken, wenn jemand mit dieser Schwankung nicht umgehen kann, hat er zwei Möglichkeiten:

  1. Er steigert seine Risikotoleranz, indem er Seminare besucht, meditiert oder zum Psychologen geht, was ziemlich schwer ist.
  2. Er ändert seine Asset Allocation, er sollte Aktien im Portfolio keine sehr hohe Gewichtung geben, sondern lieber Asset-Klassen, die weniger schwanken.

Das dritte Risiko, dass auch in Zeiten des Bärenmarktes sehr auffällig wird, ist das blinde Vertrauen in Prognosen und Erklärungen.

 

Die Marktschreier

Dazu ein Beispiel:

Kurz nach der Gefangennahme von Saddam Hussein stiegen die Zinsen der US-Staatsanleihen, viele Kommentatoren begründeten das damit, dass auch die Gefangennahme Saddam Husseins den Terrorismus nicht eindämmen könne. Danach fielen die Zinsen wieder und die Presse begründete den Fall des Zinsniveaus mit demselben Ereignis, da die Gefangennahme plötzlich doch den Terrorismus stoppen könnte.

Kurzfristige Marktprognosen sind meiner Meinung nach vollkommen nutzlos und im Video, welches oben verlinkt ist habe ich dafür ein anschauliches Beispiel bei Minute 9:07

 

Die Verlustaversion

Der vierte Psychologische Fehler, ist die sogenannte Verlustaversion. (Wobei diese einfach nur eine Emotion ist und nicht wirklich ein "Fehler"). Dieses Phänomen wurde vom Psychologen Daniel Kahneman entdeckt, (Buchtipp: schnelles denken, langsames denken). Dieser hat herausgefunden, dass der Verlust von 100 € doppelt so viel Schmerz auslöst als ein Gewinn von 100 € Freude in uns erweckt.

Wenn nun in einem Bärenmarkt das eigene Portfolio öfter Verluste erzielt als Gewinne, dann führt das zu schlechten Gefühlen. Deshalb sollte man sich das Portfolio nicht jeden Tag ansehen sondern vielleicht einmal in der Woche um nicht immer wieder die negativen Emotionen beim Erblicken eines Verlustes zu fühlen.

Der fünfte Fehler und einer der größten ist die Kontrollillusion. Vor allem an der Börse passiert es vielen Anlegern oft, dass sie sich viele Dinge ein bisschen zu leicht und zu kontrollierbar vorstellen.

Man liest immer wieder, dass jemand schreibt, wie einfach es nicht sei einfach am Tiefpunkt bei Bodenbildung zu kaufen und beim Hochpunkt zu verkaufen.

Doch wenn das alles so einfach wäre, dann wären wir alle Multi-Millionäre. So einfach und plausibel das auch klingen mag, das Problem dabei ist, dass man eben nicht kontrollieren und wissen kann, wann der Tiefpunkt und der Hochpunkt da ist.

Besser ist es einfach, wenn die Kurse niedrig sind zu kaufen, und die Chance zu nutzen und wenn sie noch weiter fallen, hat man immer noch günstig gekauft.

Man sollte sich bewusst machen, dass an der Börse nichts so sehr belohnt wird wie die Geduld. Und das die langfristig positive Rendite nur durch die Volatilität zustande kommen, und nur diese die Rendite bekommen, die die Volatilität auch aushalten.

Dazu möchte ich dir zum Abschluss das Buch "Böryenmythen enthüllt für Anleger" von Ken Fisher empfehlen. Denn er geht hier intensiv auf dieses Thema und viele weitere ein. Das Buch liest sich sehr gut und enthält viele wertvolle Tipps für erfolgreiches anlegen. 

Rationale Grüße,

Kolja Barghoorn 

 

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