Value Investing! Schritt-für-Schritt Anleitung wie ich Value Aktien finde, analysiere und kaufe!

Bevor du startest

In diesem umfassenden Artikel über Value Investing auf "Stock-Picking" Ebene, möchte ich dir mein Schritt für Schritt System vorstellen, mit dem ich in der Vergangenheit immer wieder interessante Value-Aktien gefunden habe, die eine gute Rendite erwirtschaften. Es beruht auf der Strategie von Benjamin Graham - intelligent investieren - und seiner strengen Vorlage, nur Aktien zu kaufen, die unter ihrem intrinsischen Wert gehandelt werden. Bevor man allerdings damit anfängt, gilt es einige wichtige Entscheidungen zu treffen. Schließlich kann man sich auch einfach die Zeit und Mühe sparen und in einen Value-Index investieren (Video-Link)

 

 Die Grundfrage: Wie finde ich eine gute Aktie?

Bevor wir überhaupt mit der Suche nach potentiellen Aktien beginnen, müssen wir zunächst entscheiden, ob wir überhaupt das größere Einzelrisiko von einzelnen Aktien und den höheren Zeiteinsatz in Kauf nehmen wollen. Schließlich könnten wir auch einfach in ETF und Indexfonds investieren, 1-2 mal im Jahr rebalancen und fertig ist der Keks. Das heisst, wir müssen uns selbst fragen, lohnt sich der zusätzliche Aufwand? 

 

Schritt 1: Die Anlage verstehen (Risiko, Rendite, Zeiteinsatz)

Dazu poste jetzt die ersten 3 Videos nämlich:

1. Was ist eigentlich Value Investing und was versucht man zu erreichen? (Video-Link-Was ist Value Investing?)

2. Was sind die Vorteile von Value Investing? (Video-Link-Vorteile von Value Investing)

3. Was sind die Nachteile von Value Investing? (Video-Link-Nachteile von Value Investing)

Das sollte reichen, um Value Investing zu verstehen und um einschätzen zu können, ob man sich darauf einlassen möchte.

 

Schritt 2: Asset Allocation & Risikomanagement

Hier geht es ganz einfach um die Frage: "Wie viel Geld soll ich eigentlich wo investieren?" Das Weihnachtsgeld ist schnell weg, also macht es Sinn sich einige Gedanken darüber zu machen.

Die Asset Allocation, also die Art und Weise wie ich mein Kapital aufteile hat einen enormen Einfluss darauf, wie viel Geld ich im Leben von meinen Anlagen zurück bekomme und ob als Rentner vom Staat 2x Müsli für morgens und abends bekomme oder auf einer Yacht sitze oder zumindest auf einem Segelboot. Dazu habe ich auch 2 Videos gemacht.

Video-Link-Asset Allocation -1

Video-Link-Asset Allocation - 2

Wenn du keine Lust dazu hast meinen Ausführungen zu zuzusehen, kannst du dir an dieser Stelle 2 Fragen stellen:

1. Wie groß (klein) ist dein Finanzielles Polster? Das ist ganz einfach die Anzahl an Monaten, die du ohne Probleme überstehen könntest, wenn du genau von JETZT an kein Geld mehr verdienen würdest.

2. Wie risikofreudig bist du? Auf einer Skala von 1-10. Ist es ok wenn dein Portfolio oder deine Aktie mal zwischendurch 30% im Minus steht? (Denn genau das kann bei Aktien passieren und ist mit der Grund, warum wir langfristig eine bessere Rendite als auf einem Sparkonto erzielen werden. WEIL wir ein höheres Risiko eingehen). Wenn du meine (hoffentlich) rationale Denkweise kennst, dann weisst du mittlerweile, dass ich nicht 100% meines freien Kapitals in Value-Aktien investiere.

1. Weil ich nicht die Zeit dazu habe und 2. Weil es ein zu hohes Einzelrisiko darstellt. Ich investiere maximal 20% meines freien Kapitals, welches in geht in Einzelaktien.

Beispiel: Nehmen wir an, ich bekomme 10.000 € von meiner Großmutter geschenkt. Nachdem ich das Geld entsprechend meiner Asset Allocation aufgeteilt habe (und natürlich meine Oma vorher damit zum Essen einlade), bleiben etwa 1.000 € für Value Investing übrig. Nur damit du die Größenordnung einschätzen kannst.

Jetzt, da wir diese wichtigen Dinge geklärt haben,kannst du dir Gedanken darüber machen und wir gehen zum nächsten Schritt.

 

 Schrit 3: Wo finde ich überhaupt potentielle Aktien? (NICHT im Börsenblatt)

Die einfachste und beste Möglichkeit, schnell potentielle Aktien zu finden sind sogenannte Stock-Screener. Denn diese sind objektiv und orientieren sich schlicht und einfach an Daten und zahlen, nicht an persönlichen Meinungen von Analysten oder Börsen-Korrespondenten. Ich glaube keinem Börsenblatt, weil ich nicht weiss wer dahinter steckt und die Branche nicht unbedingt vor Transparenz strotzt. Außerdem findet man in den gängisten Empfehlungen meistens Aktien, die sowieso bereits im Rampenlicht stehen (Alibaba, Rocket Internet usw) und die Wahrscheinlichkeit, eine unterbewertete Aktie hier zu finden ist eher gering.

Du "screenst" viel dabei auch viel mehr potentielle Aktien und umgehst somit Probleme wie z.B dem "Home-Bias". Nebenbei lernst etwas über die Weltwirtschaft. Die Frage ist jetzt nur: Wie nutzt man so einen Stock-Screener? Dazu habe ich 2 übersichtliche Videos erstellt:

1. Video-Link Stock-Screener - 1

2. Video-Link Stock-Screener - 2

 

 Schritt 4: Welche Kennzahlen bestimmen meine Auswahl?

Jetzt kommen wir zu den unglaublich spannenden und keinesfalls trockenen Fundamental-Daten. Diese bestimmen, wie wir das Unternehmen einordnen können. Das ist nichts anderes, als würdest du dir ein neues Auto oder ein Haus kaufen wollen. Du willst wissen wie gut ist es in Schuss? Wann werden Reparaturen fällig was ist das Risiko etc. Für Unternehmen gibt es hier keine Kilometerstände oder PS-Werte sondern. z.B. KGV, Marktkapitalisierung, KUV, KBV, KCF-KCV, Verschuldungsgrad, Debt/equity, um den net current asset value einer Aktie zu bestimmen.  Dabei analysiert man fast immer den Aktuellen Kurs der Aktie im Verhältnis zu einer bestimmten Kennzahl, wie z.B dem Gewinn (beimi KGV) oder dem Buchwert (Beim KBV). Die wichtigsten Kennzahlen, mit denen ich das net current asset value berechne habe ich (wie könnte es auch anders sein) in kurze Videos verpackt:

1. Video-Link - KGV

2. Video-Link - KCF/KCV

3. Video-Link - KBV

4. Video-Link - KUV

5. Video-Link - Verschuldungsgrad

 

Schritt 5: Wie analysiere ich die Aktien (NCAV-Benjamin Graham)

Die meisten Value Investoren und Methoden zur Berechnung des intrinsischen Wertes von Aktien beruhen auf dem Buchwert des Unternehmens. Das bedeutet wenn das Unternehmen jetzt alle operativen Geschäfte einstellen würde, alle Vermögenswerte zu Geld macht, und alle Schulden bezahlt, was bleibt übrig?

Wert ist nach dieser Definition also: Alle Vermögenswerte - Verbindlichkeiten = Buchwert. Benjamin Graham geht allerdings noch einen Schritt weiter. Als "Ur-Vater" des Value Investings hatte er bei seinen Aktienanlagen immer eine sog. "Margin of Safety" implementiert. Also eine Sicherheitsschwelle, die Raum für Fehleinschätzungen des Investors lässt, die risikomindernd wirken. Stell dir z.b. vor du willst zu Silvester ein Feuerwerk veranstalten. Du weisst genau, dass man in einer Entferfnung von 50 Metern keinen körperlichen Schaden mehr davontragen kann, wenn man dem Feuerwerk zusieht. Wenn du jetzt eine "Margin of Safety" anwendest, würdest du die Absperrung trotzdem auf z.B. 65 Meter vom Feuerwerk anbringen, einfach um "Auf Nummer sicher zu gehen". Und genau das macht man bei der net current asset valuation. 

Hier reicht uns der Buchwert als Sicherheit nicht aus. NET- current asset value, bedeutet, dass NUR kurzfristige Vermögenswerte in unsere Berechnung mit eingehen, wie Geld, Inventar und Forderungen (offene Rechnungen an Kunden).

Aber ALLE langfristigen Verbindlichkeiten werden trotzdem berücksichtigt. Das heisst, man subtrahiert alle Schulden von den kurzfristigen Vermögen. Dann teilt man das Ergebnis durch die Anzahl der Aktien des Unternehmens.

Und wenn der Kurspreis maximal 67% also ca. 2/3 des ncav beträgt: BINGO! Dann hat man zwar noch immer keine Garantie, dass es die nächste Super-Aktie wird, aber die Wahrscheinlichkeit eine Perle gefunden zu haben steigt.

Die Formel lautet also: 

             kurzfr. Vermögenswerte - Alle Verbindlichkeiten

NCAV =_______________________________________

                                Anzahl der Aktien

 

In den folgenden beiden Videos zeige ich dir genau, wie ich das selbst mache. Du siehst nicht nur, wie ich den net current asset value einer Aktie berechne, sondern auch meine Beurteilung und wo man die entsprechenden Kennzahlen im Geschäftsbericht eines Unternehmens findet.

Video-Link - Unternehmensanalyse - 1

Video-Link - Unternehmensanalyse - 2

 

Schritt 6: Watchlist oder Investieren?

Die meisten Aktien werden durch den Test fallen, aber es wäre schade wenn die Arbeit komplett umsonst wäre oder? Genau, deshalb kannst du dir eine Art "Watchlist" erstellen, z.B. eine Excell-Tabelle, wo du den aktuell von dir berechneten ncav einträgst und den Kurs der Aktie. Diese kannst du dann in regelmäßigen Abständen kontrollieren und kurz nachrechnen, ob die Aktie jetzt ein Investment wert ist.

 

Schritt 7: Wo fange ich an?

Am besten sofort! Denn je länger du wartest, desto schneller vergisst du wieder wie es funktioniert. Wenn du es aber in der Praxis gleich 3-4x selbst machst, geht es leichter von der Hand und du kannst direkt anfangen. Unter dem Artikel sind einige Online-Banken verlinkt, über die du günstig in Aktien investieren kannst. Ich würde nicht zu lange warten, denn gute Kandidaten sind häufig schnell wieder überbewertet, wenn andere Investoren auf die Aktien aufmerksam werden. Ich selbst investiere in nur 2-3 Einzelaktien pro Jahr und es ist natürlich dir überlassen, was du jetzt von meinen Tipps umsetzen willst.

 

Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg dabei!

Rationale Grüße,

Kolja Barghoorn 

 

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