Bei ETFs AUSSCHÜTTUNG oder THESAURIERUNG wählen? Was ist besser?

In diesem  dritten Teil der ETF-Bewertungsserie  geht es um nichts anderes, als die entscheidende Frage des Lebens:

Nehme ich einen thesaurierenden oder einen ausschüttenden ETF?

Damit du auf deiner Suche nach dem für dich perfekten ETF nicht zu sehr verwirrt bist und für dich selbst entscheidende kannst was am besten zu deiner Strategie passt, ob Thesaurierer oder Ausschütter , habe ich  einfach einmal eine kleine Diskussion zwischen Bodo und mir aufgezeichnet:

Die Thesaurierungsdiskussion

 

Kolja: Thesaurierende ETFs sind ganz klar vorzuziehen aus dem einfachen Grund, dass sie einen viel besseren Zinseszinseffekt haben, denn schließlich werden die Beträge reinvestiert und zwar direkt im Sondervermögen was wiederum bedeutet, dass ich  nicht wie bei ausschüttenden ETFs noch einmal die Kaufgebühr zahlen muss wenn ich die Ausschüttungen selbst reinvestieren möchte.

Außerdem hat man nicht nur einen guten Zinseszinseffekt, nein bei  bei synthetischen thesaurierenden ETFs spielt außerdem  noch der Steuerstundungseffekt eine Rolle denn die Kursgewinne die ein synthetischer ETF erzielt werden ja durch Termingeschäfte erwirtschaftet und diese müssen laut Gesetz erst dann versteuert werden, wenn der Anleger irgendwann tatsächlich verkauft.

Bodo: Bei thesaurierenden ETFs kann aber ein steuerliches Wirrwarr entstehen, vor allem bei ausländischen ETFs, da muss man ständig alle Belege aufheben und wenn dann etwas schief geht kommt plötzlich das Finanzamt und nimmt dir deine Wohnung mit Frau und Kindern weg.

Außerdem, wie meine Großmutter schon wusste: Nur Bares ist Wahres

Denn, wenn ich nie Ausschüttungen bekomme, was ist denn dann mit meinem Sugar-Dady-Lifestyle, dem Ferrari, dem passiven Einkommen und meiner finanziellen Freiheit?

Der nächste Punkt ist der, dass die Motivation einfach viel höher ist, wenn ich Ausschüttungen bekomme. Dann hab ich nämlich immer ein bisschen Geld auf dem Konto und verliere niemals den Spaß am Investieren und darum geht es doch.

Kolja: Ok du kannst Ausschütter zwar fürs Rebalancing nutzen, musst aber jedes Mal beim Rebalancing  wieder Kaufgebühren zahlen und außerdem glaube ich gar nicht, dass so viele Leute die Ausschüttungen fürs Rebalancing nutzen, sondern einfach wieder für irgendwelche anderen Dinge ausgeben.

Das Ganze könnte noch einige Stunden so  weitergehen einfach aus dem Grund, dass man hier nicht zu einem objektiven und  produktiven Ergebnis kommen würde, da es dieses in dem Fall gar nicht gibt und die Entscheidung sehr stark von den eigenen Bedürfnissen abhängig ist.

Ich habe mich selber schon sehr viel mit diesem Thema beschäftigt, unzählige Bücher gelesen, doch wisst ihr was?

Am Ende ist es einfach Schießegal.

Es kommt einzig und allein auf die Frage an, ob du auf Ausschüttungen angewiesen bist bzw. diese haben willst oder ob du auf selbige verzichten kannst.

Huhn oder EI, Einzelaktien oder ETFs, Blond oder Brünett?

Wie bei allen Diskussionen um das Thema was besser ist, ob Huhn oder EI, Einzelaktien oder ETFs, Blond oder Brünett, gibt es keine eindeutige Antwort auf diese Frage.

Es geht auch gar nicht um die Frage ob Huhn oder Ei es geht um den Bauernhof, also den Fakt, dass man regelmäßig investiert und überhaupt etwas macht.

Und ich persönlich finde es beispielsweise viel besser, wenn man sich in sich geschlossene Ziele setzt, welche schlüssig und simpel umzusetzen sind, so wird das Ganze auch nicht kompliziert.

Bevor ich dir einige parktische Beispiele gebe möchte ich noch einmal klarstellen, dass es keinen klaren Sieger zwischen Thesaurierenden und Ausschüttenden ETFs gibt und jeder diese Entscheidung selbst mit Bezug auf seine Bedürfnisse und Ziele treffen muss.

Nimm es an, wenn du es nicht ändern kannst!!!

Außerdem ist es ja so, dass sich beispielsweise Gesetze auch immer wieder ändern und dann sowieso wieder alles ganz anders aussieht. Beispielsweise wird das Ganze im Rahmen des neuen Investmentsteuergesetzes 2018, zu dem auch noch ein separater Artikel kommt, sowieso wieder ganz anders aussehen. Das was also nächstes Jahr kommt ist schon wieder ganz anders als das was jetzt ist, beispielsweise in Bezug auf synthetische ETFs, die dann auch bald keinen Steuervorteil mehr haben werden. Und in ein paar Jahren kann dann wieder alles ganz anders aussehen.

Deshalb solltest du einfach ein Ziel haben welches zu dir passt und den ETF auswählen der zu diesem Ziel bzw. der Strategie passt mit der du das Ziel erreichen willst, anstatt dich an Kleinigkeiten wie einem geringen Steuervorteil zu orientieren und anderen Faktoren die sich ständig ändern können ohne, dass du einen Einfluss darauf hast.

Denn wie schon Friedrich Oetinger ein deutscher Theologe gesagt hat:

 

Ein Ziel könnte dann beispielsweise so aussehen:

„Ich möchte 25.000 Euro in Ausschüttenden ETFs und Aktien ansparen und zwar innerhalb des nächsten Jahres. Dann habe ich dieses Paket und dieses Paket bringt mir dann jedes Jahr 500 bis 700 Euro steuerfrei auf mein Konto und dann kann ich mir davon einen kleinen Urlaub finanzieren.“

An dieser Stelle möchte ich noch einwerfen, dass du egal ob du Ausschütter oder  Thesaurierer wählst immer den Freistellungsauftrag stellen musst, sonst wird nämlich dein Broker die Abgeltungssteuer ans Finanzamt abführen obwohl du eigentlich für die Beträge bis 801 Euro keine Steuern zahlen musst.

Mein persönliches Ziel war es für sehr lange Zeit nur in thesaurierende Aktien und auch ETFs zu investieren, um langfristig die maximale Steuerstundung und Kostenreduktion usw. zu haben was vor allem auch deshalb für mich funktioniert da ich einfach nicht auf die Ausschüttungen angewiesen bin.

Aktuell ist es aber mehr und mehr auch bei mir so, dass ich gerne auf Ausschüttende ETFs und Aktien setze, einfach deshalb da ich insgesamt, bei Betrachtung aller Asset Klassen und meiner gesamten Asset Allocation schon ziemlich viel in Thesaurierende ETFs investiert habe, die ja jetzt die nächsten Jahrzehnte für mich arbeiten sollen.

Da ich mir aber zwischendurch auch oft einmal ein  paar Ausschüttungen nehmen will um dann in andere Asset Klassen wie bspw. P2P zu investieren, greife ich jetzt auch öfter zu Aktien mit höheren Dividenden oderAusschüttenden ETFs.

Rebalancing-Möglichkeiten bei Ausschüttenden ETFs

Eine andere Strategie bzw. ein anderes Ziel könnte beispielsweise sein, dass du immer nur auf Ausschüttungen setzt und zwar immer nur hundert Prozent auf Ausschüttungen.

Die Hälfte von diesen Ausschüttungen nimmst du dann einfach für deinen privaten  Konsum und motivierst dich damit weiter zu investieren. Die andere Hälfte die kannst du bspw. wieder reinvestieren.

Das kannst du beispielsweise so machen, dass du immer wenn du eine Ausschüttung erhältst wartest bis die nächsten Ausschüttungen kommen und dann alles auf einmal in einem größeren Paket reinvestierst.

Wenn es sich noch um sehr kleine Beträge handelt, kann man auch temporär für einen Monat die eigene Sparplanquote anheben.

Nehmen wir bspw. einmal an, dass du hundert Euro Dividende du bekommst  und deine normale Sparplanrate bei 400 Euro liegt. Dann kannst du beispielsweise so vorgehen, dass du 50 Euro nimmst und dir davon ein paar coole Bücher kaufst. Die restlichen 50 Euro nimmst du, um deine Sparplanrate im jeweiligen Monat von 400 auf 450 Euro anzuheben.

Und so kann man dann die Ausschütter langfristig auch perfekt für das Rebalancing nutzen.

Fazit

Abschließend gesagt gibt es einfach keinen eindeutigen Gewinner und du musst einfach immer selbst entscheiden. Wobei du natürlich auch einfach Hälfte-Hälfte machen kannst, sprich du investiert die  erste Hälfte der Summe die du in deinen Sparplan einzahlst in Thesaurierende und die zweite Hälfte in Ausschüttende ETFs.

Jetzt würde mich natürlich interessieren, welche ETFs ihr bevorzugt, also schreibt mir das einfach mal in die Kommentare unter diesen Artikel.

Ich hoffe ihr konntet wieder viel lernen und wenn ihr noch ein bisschen mehr Bildung wollt, dann kann ich euch den AktienMitKopf Podcast wobei es im letzten Teil, welchen du HIER findest um das spannende Thema des Forex-Trading ging, und zwar darum, was das überhaupt ist und wie Privatanleger bei diesen Geschäften durchschnittlich abschneiden.

Im nächsten Artikel geht es dann um einen wirklich wichtigen Punkt und zwar die Tracking Difference - das alles entscheidende Kriterium zur Bewertung von ETFs – was die Tracking Difference genau aussagt und wie man diese ausrechnet erfährst du im nächsten Artikel.

Rationale Grüße,

Kolja Barghoorn & 

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