Welche Aktienarten gibt es? Stammakte, Vorzugsaktie etc.

In diesem Artikel geht es um die verschiedenen Aktienarten, wodurch sie sich jeweils unterscheiden und wie man sie in der Praxis erkennen kann.

Es gibt verschiedene Arten von Aktien wie die Vorzugsaktien, die Stammaktien die Namensaktien und viele mehr, die meisten unterscheiden sich nur durch eine einzige Eigenschaft.

 

Die Übertragbarkeit von Aktionär zu Aktionär

Die üblichsten Aktien sind, zumindest in Deutschland, die Inhaberaktien. Bei den Inhaberaktien weiß das Unternehmen nie wer gerade die eigenen Aktien besitzt. Die Inhaberaktien können problemlos von einem auf den anderen Anleger übertragen werden, ohne das die AG davon Notiz nimmt.

Über die Hauptversammlung und über andere Ereignisse werden die Aktionäre der jeweiligen Aktiengesellschaft über die Depotbank informiert.

Inhaberaktien erkennt man schon am Titel der Aktie.

Bei Namensaktien läuft das ein bisschen anders ab, bei diesen weiß die Aktiengesellschaft immer genau wer die Aktionäre sind. Namens-Aktionäre sind nämlich im sogenannten Aktienregister der AG eingetragen.

Das Aktienregister ist ein, meist auf den Computer geführtes Verzeichnis der Aktionäre. Früher hieß es Aktienbuch, doch um zu verdeutlichen, dass es auch auf einem Computer geführt werden kann nennt man es seit 2001 Aktienregister.

Das Video zu diesem Artikel findest du übrigens hier:

Im Aktienregister sind alle Aktionäre von Namensaktien mit ihrem Namen, ihrer Adresse, der Anzahl der Aktien die sie besitzen, dem Geburtsdatum und bei manchen Unternehmen auch schon mit der E-Mail Adresse eingetragen. Bei Namensaktien informiert die AG die Aktionäre nicht wie bei Inhaberaktien über die jeweilige Depotbank über Ereignisse wie die Hauptversammlung, sondern sendet die Nachrichten entweder per Post oder eben per E-Mail direkt an den Aktionär.

 

Unterschied zwischen Namensaktien und Inhaberaktien

Die Daten über den Aktionär werden beim Kauf automatisch von der jeweiligen Depotbank an die Aktiengesellschaft weitergeleitet.

Das ist auch einer der Vorteile von Namensaktien gegenüber Inhaberaktien und zwar der direktere Kontakt zum Aktionär. Allerdings werden Namensaktien meist nicht aus diesem Grund von einer AG ausgegeben.

Durch das Aktienregister kann das Unternehmen genau beobachten wer gerade die Mehrheitsaktionäre des Unternehmens sind.

Sollte ein Unternehmen ein anderes übernehmen wollen, ohne das die AG dem selbst zustimmt bzw. das will, bezeichnet man das als feindliche Übernahme. Genau um sich vor solchen feindlichen Übernahmen, meist durch Konkurrenten, zu schützen gibt die AG Namensaktien aus um sofort erkennen zu können, wenn ein anderes Unternehmen sehr viele Anteile kauft.

Sollte beispielsweise der Konzern Coca-Cola erkennen, dass die Firma Pepsi sehr viele Aktien kauft kann Coca-Cola sofort reagieren und z.B. eigene Aktien kaufen um die Übernahme zu verhindern (oder Pepsi Aktien kaufen ;-)

In Amerika ist es im Gegensatz zu Deutschland so, dass die meisten Aktien Namensaktien sind, an manchen Börsen wie der New Yorker Börse sind Namensaktien sogar Pflicht. Auf Englisch bedeutet Namensaktie übrigens registered Share.

Aber auch in Deutschland ändern viele Unternehmen ihre Inhaberaktien in Namensaktien so zum Beispiel das Unternehmen Adidas, das seit dem Jahr 2010 keine Inhaberaktien sondern Namensaktien hat.

 

Die vinkulierte Namensaktie

Eine ganz spezielle Form sind die vinkulierten Namensaktien, hier kann die Aktiengesellschaft den Handel mit einer Aktie sogar verbieten!

Vinkuliert kommt übrigens vom lateinischen Wort Vinculum und das bedeutet soviel wie "Band" oder "Fessel", vinkuliert heißt also übersetzt gefesselt oder gebunden.

Vinkulierte Namensaktien sind sehr selten, sie werden vor allem von AG´s bzw. in Branchen emittiert, die bestimmten Gesetzen unterliegen. Dazu zählt beispielsweise die Luftfahrt oder die Rüstungsindustrie. Ein Beispiel für ein Unternehmen mit vinkulierten Namensaktien ist die Lufthansa AG, welche gesetzlich sogar dazu gezwungen ist vinkulierte Namensaktien zu emittieren.

Laut einem Luftverkehrsabkommen in den EU-Richtlinien muss das Unternehmen nämlich mehrheitlich von Deutschen gehalten werden.

Auch vor feindlichen Übernahmen ist man als Unternehmen durch die Ausgabe von vinkulierten Namensaktien sehr gut geschützt.

Außerdem kann man Aktien noch in Stammaktien und Vorzugsaktien einteilen.

Bei Stammaktien, welche die häufigere Form ist verbrieft jede Aktie ein Stimmrecht für Entscheidungen bei der Hauptversammlung.

Vorzugsaktien verbriefen hingegen kein Stimmrecht bei der Hauptversammlung. Kein Unternehmen kann nur Vorzugsaktien emittieren, tatsächlich liegt der maximale Anteil den Vorzugsaktien am Grundkapital ausmachen dürfen bei 50 %.

Vorzugsaktien werden vor allem von Familienunternehmen emittiert, die zwar Eigenkapital beschaffen aber keine Stimmrechte abgeben wollen.

Ein Unternehmen welches auch Vorzugsaktien emittiert ist VW.

Man erkennt die Vorzugsaktien daran, das im Titel das Kürzel o.St. enthalten ist was eine Abkürzung für „ohne Stimmrecht“ ist.

Vorzugsaktien verbriefen den gleichen Anteil am Grundkapital wie Stammaktien, doch sie notieren normalerweise deutlich unter dem Kurs von den Stammaktien.

 

Vorzugsaktie oder Stammaktie?

Bei Volkswagen notiert die Stammaktie bei ca. 137 Euro (04.03.2016), während die Vorzugsaktien zu einem Kurs von nur 119 Euro notieren.

Außerdem ist es so, dass Vorzugsaktionäre ein vorrangiges Recht auf Dividende haben. Die Dividende bei Vorzugsaktien ist als meist höher als die von Stammaktien. Bei Volkswagen lag die Dividende der Vorzugsaktien in 2015 bei 4, 86 Euro während sie bei den Stammaktien 4, 80 Euro betrug, das wirkt zwar auf den ersten Blick gering, doch da der Kurs der Vorzugsaktien meist niedriger ist liegt die Dividendenrendite bei knapp 4% während sie bei den Stammaktien nur 3,5% beträgt.

 

Für einen Privatanleger der sein Stimmrecht ohnehin nicht ausübt oder es nicht als wichtig erachtet, da er sowieso keinen entscheidenden Anteil am Unternehmen hält sind also Vorzugsaktien durchaus eine attraktive Variante, zumindest bei den Unternehmen, die sie emittieren.

 

Hinter den Aktientiteln steht neben dem Kürzel o.St. bei Vorzugsaktien meist noch o.N.

o.N. ist eine Abkürzung von „ohne Nennwert“, das kommt daher, dass es früher sehr viele Nennwertaktien gab. Nennwertaktien sind Aktien bei denen nicht jede Aktie den gleichen Anteil am Grundkapital verbriefen muss, sondern jede Aktie einen anderen Nennwert haben kann. Der Nennwert wird in Euro angegeben und wenn eine Aktie beispielsweise einen Nennwert von 5 Euro hat und das Grundkapital 50 000 Euro beträgt dann hat der Besitzer dieser Aktie einen Anteil von 0,01 % am Grundkapital. Allerdings kann es sein, dass eine andere Aktie des gleichen Unternehmens einen Nennwert von 500 Euro hat und somit einen Anteil von einem Prozent verbrieft.

Nennwertaktien notieren an der Börse genau wie die meisten Anleihe auch in Prozent vom Nennwert. Eine Aktie die bei 105 % notier und einen Nennwert von 100 Euro hat kostet dann also 105 Euro.

Diese Aktien waren vor allem in der Vergangenheit die übliche Form. Man findet heutzutage allerdings fast keine Nennwertaktien, sondern nur mehr Stückaktien. Dieser Wandel kam vor allem durch die Einführung des Euros in den Jahren 2000 bzw. 2002.

Bei diesen verbriefen alle Aktien einen gleichen Anteil am Grundkapital, es verbriefen also z.B. alle Aktien einen Anteil von 1% am Grundkapital.

 

Nennwertaktien Vs. Stückaktien

Stückaktien notieren immer in einem Geldbetrag also z.B. mit einem Kurs von 100 Euro.

Bei Stückaktien kommt es also nur darauf an wie viele Aktien man hält, während es bei Nennwertaktien hingegen darauf ankommt wie hoch der Nennwert der Aktien ist die man hält.

Aktien mit dem Kürzel o.N. sind also Stückaktien.

Es gibt neben diesen Aktienarten auch noch Aktiengesellschaften, die beispielsweise noch einmal mehrere Arten von Stammaktien ausgeben.

Google bzw. Alphabet hat zum Beispiel neben den normalen Stammaktien auch noch B-Aktien die nicht an der Börse gehandelt werden und im Besitz der beiden Gründer Sergey Brin und Larry Page sind, diese Aktien verbriefen das zehnfache Stimmrecht der normalen Stammaktien.

Somit haben die beiden Gründer auch wenn sie keinen Hauptanteil am Unternehmen besitzen immer noch die Hauptkontrolle, da sie die meisten Stimmrechte besitzen.

Das heißt natürlich für die anderen Aktionäre, dass man von diesen beiden Personen stark abhängig ist und das die anderen Aktionäre eigentlich keinerlei Mitspracherecht an ihrem Unternehmen haben.

Wie man solche Dinge findet kann man natürlich immer selbst entscheiden, doch es ist zumindest gut solche Informationen zu haben bevor man in eine AG investiert.

Rationale Grüße,

Kolja Barghoorn

Warum Aktien auch bei Guten Neuigkeiten FALLEN kön...
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Kolja Barghoorn - Aktien mit Kopf

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