Warum Aktien auch bei Guten Neuigkeiten FALLEN können

In diesem Artikel soll es darum gehen warum es an der Börse passieren kann, dass bei guten Nachrichten teilweise die Kurse von Aktien massiv fallen.

 

Gute Quartalsergebnisse = 44% Verlust!

 

Die Firma Linkedin hat vor kurzem Quartalszahlen herausgebracht, die durchaus positiv waren. Der Umsatz ist um ein Drittel gestiegen. Trotzdem ist der Kurs um gut 44 Prozent gefallen. Wie so etwas passieren kann erfährst du in diesem Artikel.

 

Linkedin hat also eine sogenannte Ad-Hoc-Meldung herausgegeben, dabei handelt es sich um eine Meldung, die voraussichtlich den Aktienkurs beeinflussen wird und vom jeweiligen Unternehmen so veröffentlicht werden muss, dass möglichst alle Leute die Information zum gleichen Zeitpunkt erhalten bzw. Zugang zu dieser haben. Es gibt sowohl positive als auch negative Ad-Hoc-Meldungen und der gesunde Menschenverstand würde einem eigentlich sagen, dass bei positiven Meldungen der Aktienkurs steigt und bei negativen fällt, das ist zwar an der Börse auch oft der Fall aber eben nicht immer...

Manchmal reagiert die Börse auch auf positive Nachrichten negativ.

Doch wieso?

 

Der Barwert

Zuerst muss man einmal das Prinzip des Barwerts (englisch=present value) verstehen. Der Barwert gibt an, was das Unternehmen heute Wert ist, wenn man alle Geldflüsse bzw. Cashflows welche es in der Zukunft generiert und zahlen muss mit einbezieht.

Doch dieses Prinzip funktioniert nicht nur bei Unternehmen sondern zum Beispiel auch bei Immobilien.

Ein kurzes Beispiel dazu: Wenn ich den Wert meiner Wohnung hier auf Mallorca bestimmen will, dann mach ich das ja nicht nur anhand des Ausblicks oder der Möbel die gerade in der Wohnung sind, sondern ich schaue mir natürlich auch an, welche Miete ich mit dieser Wohnung in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren erzielen kann.

Um zu bestimmen wie viel diese zukünftigen Mieteinnahmen heute Wert sind, muss ich diese abzinsen. Denn wie du ja weißt, sind 100 Euro heute mehr wert als 100 Euro in einem Jahr, da ich ja mit den hundert Euro die ich heute bekomme investieren und damit eine Rendite erzielen kann.

Genau um die Rendite, die ich mit den hundert Euro heute erzielen kann, muss ich die hundert Euro in einem Jahr abzinsen um zu wissen wie viel die hundert Euro heute Wert sind.

Natürlich berechne ich mir aber nicht nur was die Miete in einem Jahr sondern in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren heute wert ist.

Nun kann es aber passieren, dass die Regierung heute beschließt in zehn Jahren neben meine Wohnung ein Atomkraftwerk zu bauen. Das beeinflusst zwar die aktuelle Miete nicht, aber die Miete die ich in zehn Jahren und ab dann erzielen werde und somit auch meinen Barwert!

Es beeinflusst also ein Ereignis das heute verkündet wird und die jeweilige Investition erst in einigen Jahren trifft auch schon heute den Barwert dieser Investition.

 

 300 Jahre auf mein ROI warten?

Nun ist es an der Börse oft so, dass gerade Aktien wie Linkedin oder Tesla mit einem KGVe von 100 oder sogar 200, manchmal 300! gehandelt werden. Das bedeutet, dass wenn das Unternehmen die Gewinne nicht mehr erhöhen würde, ein Anleger der heute investiert erst in 100 oder 200 Jahren sein Geld zurückbekommt!

Das würde natürlich niemand machen und auch hier ist es so, dass das KGV den Barwert wiederspiegelt, das bedeutet, dass die Anleger glauben, dass die Unternehmen in Zukunft ihre Gewinne sehr stark erhöhen werden bzw. sehr viel Geld verdienen werden.

Dieser Barwert ist natürlich stark auf den Hoffnungen der Anleger aufgebaut und diese Hoffnungen gehen von einem bestmöglichen Szenario für das Unternehmen aus, wenn sie ihm zutrauen in der Zukunft seine Gewinne derartig zu steigern.

Das Problem dabei ist, dass der Preis einer Aktie, der so stark auf Hoffnungen beruht schon durch kleinste Meldungen, die vielleicht nicht einmal negativ sind, aber eben diese enormen Hoffnungen nicht widerspiegeln, stark fällt.

Um diesen Effekt zu verdeutlichen eine kleine Geschichte, sie ist vielleicht etwas platt aber sie verdeutlicht es recht gut. Folgendes Szenario:

 

Wer hat den schönsten Arsch?

Stellen wir uns mal ein einsames kleines Dorf vor. Dieses Dorf hat nicht viele Einwohner, plötzlich zieht ein Bäcker in dieses Dorf. Dieser Bäcker hat eine unfassbar attraktive Tochter, die immer bei ihm im Bäckerladen steht und die Brote verkauft.

Es spricht sich natürlich nach und nach rum und schon nach kurzer Zeit reden alle, vor allem die jungen Männer, nur mehr über die Tochter des Bäckers.

Sie reden also alle über diese Tochter, die immer hinter dem Tressen der Bäckerei steht und denken sich: „ Wenn die schon hinter der Theke so attraktiv ist, wie hübsch muss dann erst ihr Hinterteil sein. Die hat bestimmt den attraktivsten Hintern den man sich nur vorstellen kann“.

Überall gehen die Gerüchte im Dorf um, wie wohl der Hintern der Bäckerstochter aussieht. Und nach ein paar Monaten verlässt die junge Dame das erste Mal das Haus und macht einen Spaziergang.

Alle gucken natürlich auf den Hintern und wenn da jetzt nur die kleinste Falte zu sehen ist sind natürlich alle massiv enttäuscht. Sie kann also immer noch ein enorm attraktives Hinterteil haben, aber wenn nur die kleinste Sache die Hoffnungen nicht bestätigt sind alle enttäuscht.

Und genau so ist es an der Börse. Wenn bei gewissen Aktien wahnsinnig große Hoffnungen bestehen und nur das kleinste Detail nicht passt oder die Erwartungen nicht ganz getroffen werden, dann rauscht der Kurs in den Keller.

Und das Fazit des Artikels ist, dass ein positives Quartalsergebnis, für die Anleger, die viel höhere Hoffnungen hatten keine positive Meldung darstellen muss.

Und welche Schlüsse kann man jetzt selbst aus diesem Phänomen an der Börse schließen?

Naja, wenn die Kurse durch so ein Quartalsergebnis stark abgestraft werden, kann es für mich als Value Investor sein, dass die Aktie genau durch diese Abstrafung jetzt ein attraktives Investmentdarstellt, da der Hype bei Aktien durch derartige Meldungen oft ein bisschen gestoppt wird.

Und dann kann man solche Gelegenheiten, die auf den ersten Blick etwas irrational wirken auch rational für einen nutzen.

Rationale Grüße,

Kolja Barghoorn

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Kolja Barghoorn - Aktien mit Kopf

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